Willkommen im ersten Teil meiner Very Important Things (kurz „VIT“) für Welpen!

Vorige Woche habe ich in meinem Blog „Was Hündchen nicht lernt, das lernt Hund nimmermehr“ geschrieben, dass ich mich darüber wundere, dass so viele HundehalterInnen der Meinung sind „Sitz“, „Platz“ und „Nein“ oder „Aus“ wären die wichtigsten Übungen für ihren kleinen Hund.

Ich möchte daher in den nächsten Wochen beschreiben, welche Übungen ich für das gesunde Aufwachsen eines Welpen am wichtigsten finde. Ihr werdet erkennen, dass diese Übungen eigentlich für Hunde jeder Altersstufe gelten. Ich schreibe nur deshalb von Welpen, weil ich versuchen möchte den wahnsinnigen Stress von HundehalterInnen zu nehmen, die denken, dass ihr kleiner Hund in den ersten Wochen ALLES lernen muss.

Fangen wir daher mit meinen 3 Lieblingsübungen an: Schlafen, Spielen, Nichts tun.

Wirklich? Wer von Euch lacht jetzt laut und wer verdreht die Augen?
Das können sie doch sowieso! Nein, das können sie leider nicht. Vor allem Welpen aus dem Tierschutz tun sich schon mit diesen drei Punkten sehr schwer und leider auch erstaunlich viele Welpen vom Züchter.
Manch einer mag auch sagen: das sind Grundbedürfnisse, keine Übungen – und doch gibt es viele Welpen, die eines oder mehrere dieser Bedürfnisse nicht ausreichend befriedigen können.

 

Der unumstrittene Platz 1 der VIT für Welpen: Schlafen
Wie viele Stunden soll ein Welpe denn schlafen und wie viele davon liegt er tatsächlich herum und schläft? 20 bis 22 Stunden sollten es sein. Aber kommen HundehalterInnen in der Regel überhaupt auf 10 bis 12 Stunden, wenn man sie bittet nachzurechnen?

Ich möchte diese Zahlen nicht unkritisch betrachten. Ich weiß, dass Welpen unterschiedlicher Rassen ein völlig unterschiedliches Schlafverhalten an den Tag legen. Man kann einen Terrierwelpen, der kaum zur Ruhe zu bekommen ist nicht mit einem Windhundewelpen vergleichen, der im Zweifel mitten in einer Übung davongeht und auf seinem Platz in einen komaähnlichen Marathonschlaf fällt. Oder einen Hütehundwelpen mit einem Herdenschutzhundewelpen. Das ändert aber nichts daran, dass Welpen ganz besonders viel Schlaf benötigen.

Auf der Prioritätenliste, was ein Hundebaby können muss, steht Schlafen daher ganz oben!

Das Lachen bleibt einem im Hals stecken, wenn man sich den Welpen vorstellt, dessen Trainerin der Halterin gleich in einer der ersten Stunden ein Entspannungssignal als Hausaufgabe gibt und sie bittet ein Tagebuch darüber zu führen, wann und wie oft am Tag der Welpe kreiselt und versucht seinen Schwanz zu fangen oder sich wie verrückt die Pfoten schleckt und ab den Zehennägeln nagt.

 

Auf Platz 2 meiner VIT für Welpen: Spielen
Warum ist das wichtig?
Nun zuerst einmal, weil es Spaß macht. Weil Bewegung, Kauen und Interaktion mit dem jeweiligen Spielepartner ein Teil davon sind.

Weil in meinen Trainingsstunden mit WelpenhalterInnen immer das Wort „Bindung“ auftaucht: oh ja, Spielen ist auch gut für die Bindung zwischen dem Welpen und seinem neuen Halter.

Der Welpe kommt schließlich von seiner Mutter und von seinen Geschwistern und einem oder mehreren menschlichen Bindungspartnern in eine gänzlich neue Umgebung mit einer neuen menschlichen Bezugsperson. Diese hat vorher maximal ihren Pullover in die Wurfkiste gelegt oder den Welpen überhaupt noch nie gesehen und denkt nun für den kleinen Hund sofort AnsprechpartnerIn Nummer Eins zu sein.

Im Spiel ist alles erlaubt und der kleine Welpe kann dabei gemeinsam mit uns oder mit Artgenossen seine Grenzen testen, ohne dass etwas Böses passiert.
Dadurch können ganz neue Welten für unseren Hund eröffnet werden. Er kann seine Umwelt entdecken, neue Empfindungen kennen lernen und das alles macht auch noch Spaß. Spielen ist ebenfalls enorm wichtig, um den eigenen Körper besser kennen und spüren zu lernen.

Vorsicht – die Rede ist hier nicht von wilden Rauf-/Zerr- oder Hetzspielen. Ob der Welpen nun in einem Dickicht sein Spielzeug sucht, oder versuchen soll an die versteckten Leckerlies in einem Intelligenzspiel oder Futterball zu kommen, ob er auf einen Baumstamm klettert und balancieren lernt (gesichert!) ist dabei ganz egal. Vielleicht läuft er auch ein kleines Stück mit uns und wir spielen fangen.

Zu guter Letzt ist Spielen auch für uns wichtig – es macht einfach glücklich. Und es bringt uns zum Lachen. Dazu fällt mir immer dieser kurze und prägnante Satz ein, der für jeden und jede HundehalterIn gelten sollte: „Life is short – play with your dog!“ („Das Leben ist kurz – spiel mit Deinem Hund!“)

 

Auf Platz 3 meiner Favoriten: Nichts tun
Tatsächlich? Sind die ersten 16 Wochen nicht absolut entscheidend für das weitere Dasein meines Hundes? Ist es nicht essenziell gerade jetzt so viel wie möglich mit ihm zu tun, ihm alles zu zeigen, was die Welt zu bieten hat und ihm am besten alle Übungen beizubringen, die er später perfekt vorzeigen soll?

Nein – das ist es nicht. Lasst Euren Welpen bitte in Ruhe! Lasst ihn auf einem Spielzeug oder auf einem viel zu großen Kauknochen kauen, bis seine Augen schwer werden, lasst ihn in der Wiese liegen und Schmetterlinge beobachten. Lasst ihn neben oder auf der Couch herumlungern und einfach nur zufrieden mit sich selbst und der neuen Welt sein, in die ihr ihn geholt habt.

Euer Welpe hat sich nicht ausgesucht, bei Euch zu sein. Er hat Euch nicht dazu auserkoren, sein Leben mit ihm zu teilen. Ihr habt ihn zu Euch geholt und nun ist er an einem fremden Ort, weit weg von Allem, was er in den ersten acht Wochen seines Lebens kennen gelernt hat und er muss sich mit seinem neuen Zuhause erst „anfreunden“.

Gebt ihm die Zeit, anzukommen und mit allen seinen Sinnen herauszufinden, wo er gelandet ist und was es hier zu riechen und hören, zu sehen, zu schmecken und zu fühlen gibt.

Beobachtet Euren Welpen doch ganz ruhig dabei, wie er verwundert seine Umwelt erkundet, versucht zu sehen, was er sieht und zu verstehen, was ihm noch Schwierigkeiten bereitet. Oder seht ihm einfach beim Entspannen, Herumtapsen oder Schlafen zu. So mancher mag erkennen wie beruhigend und befriedigend es ist, einen Welpen einfach nur Welpe sein zu lassen.