Beim letzten Mal habe ich die drei wichtigen Dinge Schlafen, Spielen und Nichts-Tun ein bisschen genauer unter die Lupe genommen.

Da wir davon ausgehen, dass unser gesunder Welpe mit diesen essenziellen Fähigkeiten nun schon ausgestattet ist, gehen wir weiter zu Schutz suchen, Stubenreinheit und Leinenführigkeit.

 

Punkt 4 meiner VIT für Welpen: Schutz suchen
Schutz suchen hat sehr viel mit Vertrauen zu tun. Hat der Welpe erst einmal sein neues Zuhause erkundet und seinen neuen menschlichen Bindungspartner hoffentlich nur von dessen bester Seite kennen gelernt, beginnt er sehr schnell sich anzuschließen und sollte sich von „seinem“ Menschen erwarten dürfen in Schutz genommen zu werden.

Ich meine damit selbstverständlich nicht, dass der Welpe unter einen Glassturz gestellt werden soll, bei Gefahr hochgehoben wird oder man gar übertrieben vorsichtig jeder neuen Erfahrung aus dem Weg geht.

Viel mehr würde ich mir wünschen, dass HalterInnen ihre Welpen aktiv in Schutz nehmen. Es ist keineswegs unhöflich, einem anderen Menschen zu verbieten, den kleinen Hund, der doch so putzig aussieht, auf den Kopf zu tatschen. Ebenso wenig verkehrt ist es, Kinder zu bitten den Hund nicht anzugreifen, wenn er nicht von selbst zu ihnen kommt oder fremden Kindern ganz grundsätzlich den Kontakt zum Welpen zu verbieten.

Man ist auch nicht verpflichtet jeden x-beliebigen Artgenossen den man auf der Straße trifft, zu seinem Welpen hinzulassen. „tut-nix“ oder „nicht-tut-nix“ spielt hier keine Rolle und bitte verschont mich mit dem unseligen Wort „Welpenschutz“. Es ist keine Schande, Leinenbegegnungen mit unbekannten Artgenossen zu meiden und lieber Menschen, deren Hunde und ihr Verhalten mit (jungen) Artgenossen man gut kennt auf der Wiese zu treffen. Vorsicht auch bei Welpenspielgruppen – nicht alles ist Gold, was glänzt. Aber dazu werde ich ein andermal kommen (selbstverständlich bin ich gerne behilflich bei der Auswahl einer guten Welpengruppe und stehe mit Rat und Tat zur Seite).

Es gilt daher – lieber einmal zu oft vor den eigenen Hund gestellt und lieber einmal mehr „Nein“ gesagt. Das klingt jetzt wohl eher nach einer Übung für uns Menschen? Ganz genau, denn Hundetraining bedeutet nicht nur, an unseren Hunden herumzudoktern, sondern auch das andere Ende der Leine gut zu instruieren.

Was unser Welpe dadurch lernt ist, dass er sich hinter uns stellen kann und dass wir ihn beschützen. Menschen, die ihren Hund schon einmal aus einer misslichen Lage „gerettet“ haben, die sich dazwischen gestellt haben und die Übergriffe anderer Menschen oder Artgenossen verhindert haben, wissen wovon ich spreche, wenn ich möchte, dass mein Welpe lernt, sich auf mich zu verlassen.

 

Punkt 5 der VIT: die leidige Stubenreinheit
Es mag sie ja geben, diese wunderbaren Exemplare Hund, die schon quasi stubenrein vom Züchter kommen – diese Welpen sind aber eher in der Unterzahl und besonders Welpen aus dem Tierschutz haben je nach den Umständen ihrer Vermittlung oft noch gar keine Erfahrungen mit dem Prinzip der Unterscheidung von „draußen“ und „drinnen“ gemacht.

Ein Welpe muss lernen, dass er sein Geschäft draußen verrichten soll. Er muss dazu aber auch die entsprechenden Möglichkeiten haben. Das bedeutet im Kurzformat: alle zwei Stunden Gassi gehen, nach dem Fressen, nach dem Schlafen, nach dem Spielen – schnell raus mit dem kleinen Pupser.

Was die HundehalterInnen dabei häufig nicht realisieren, ist wie wahnsinnig selbstbelohnend es für den Welpen ist, sich zu lösen. Er muss sehr dringend Pipi machen, also tut er das – und das Entleeren der vollen Blase fühlt sich SO gut an. Egal wo er das macht. Diese „Erfolgserlebnisse“ sollte er daher so oft wie möglich dort haben, wo wir es auch möchten und das ist nicht in unseren Wohnräumlichkeiten.

Konsequenz, ein Blick auf die Uhr und ein noch viel besserer Blick auf den kleinen Hund sind daher angesagt, um jedes Zeichen zu erkennen das uns sagt, dass der Welpe hinaus muss. Und dann wird er bitte hinaus getragen. Sonst passiert das Missgeschick im Vorzimmer, während man sich noch die Schuhe anzieht, oder am Weg nach draußen im Flur/Lift und dergleichen.

 

Kommen wir zu Punkt 6 der VIT für Welpen: Leinenführigkeit
Ich höre ein paar erleichterte Seufzer. Jetzt geht es aber ans Eingemachte. Endlich soll der Welpe etwas „Richtiges“ lernen.

Genau, er soll lernen, dass die Leine und der daran hängende Mensch nicht seine Feinde sind. Die Welt, in der wir mit unseren Welpen gänzlich ohne Leine gehen können, gibt es – aber jeder in der Großstadt lebende Hund muss leider damit konfrontiert werden und jeder/jede HalterIn muss sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Das ganze Stadtumfeld bedingt eine gewisse „Kontrollierbarkeit“ des eigenen Hundes und sei es nur zu seinem eigenen Schutz.

Ich wähle daher nicht die kürzeste Leine aus und zwinge meinen Welpen in eine Fußposition. Ich verbiete ihm auch nicht, schnüffelnd seine Umwelt zu erkunden und ich zerre ihn nicht von A nach B.

Welpen müssen sich ihre Welt anschauen. Das tun sie sehr gründlich. Man kann viel lernen von ihnen, wenn sie seelenruhig auf ihrem pummeligen Welpenpopo sitzen und einfach nur schauen. Für einen Spaziergang mit dem kleinen Hund sollte man viel Zeit einrechnen und wenn man tatsächlich einen Weg vor sich hat, sollte man mindestens die doppelte Zeit dorthin einrechnen, als man normalerweise bräuchte.

Unser Welpe soll sich in dem Rahmen den die Leine ihm gibt frei bewegen dürfen, alles erkunden und auch stehen- oder sitzen bleiben dürfen. Er kann an diesem Punkt aber ebenso lernen, dass die Leine irgendwo ein Ende hat und wenn dieses erreicht ist, zahlt sich Ziehen nicht aus.

Wie viel späteren Ärger würden WelpenbesitzerInnen sich ersparen, wenn sie hier mit freundlicher Konsequenz darauf warten würden, dass ihr Welpe sich zu ihnen umdreht und ihn dann entweder mit einem Leckerli oder mit zügigem Weitergehen belohnen würden. Aber Welpen sind süß und ihr Ziehen an der Leine ist ja irgendwie nicht so störend. Der kleine Hund ist ja noch nicht 30 Kilogramm schwer oder sogar mehr. Warum ihm das also nicht ausnahmsweise durchgehen lassen?

Es könnte so einfach sein dem kleinen Hund beizubringen, dass er überall hingehen darf, die Leine dabei aber nicht gespannt sein soll. Dass er zu jedem Baum schnüffeln gehen kann, er seinen Mensch dazu aber nicht im Zickzack über den Gehsteig reißen muss.

Ein Welpe der gelernt hat, ein bisschen Aufmerksamkeit darauf zu legen, wie weit sein/e HalterIn von ihm entfernt ist und wie viel Spielraum er an der Leine hat (sei es eine Dreipunkt- oder Schleppleine) ist ein Hund mit dem man gerne spazieren geht und der gerne mit seinem Menschen unterwegs ist. Und er ist bestimmt besser dran als der pubertäre Junghund, der das nicht gelernt hat und dessen HalterIn irgendwann so entnervt ist, dass der nächste Leinenruck den Hund flach auf den Bauch reißt.