In den letzten Tagen habe ich die drei wichtigen Dinge Schutz suchen, Stubenreinheit und Leinenführigkeit unter die Lupe genommen.

Um Missverständnissen vorzubeugen. Alle Punkte, die ich bis jetzt besprochen habe, muss man eigentlich nicht extra üben. Sie ergeben sich beim verständigen und geduldigen Welpenhalter ganz von selbst und erfordern grundsätzlich nur Fürsorge, Konsequenz und Interesse an dem kleinen, flauschigen Lebewesen.

 

Punkt 7 meiner ganz persönlichen VIT für Welpen ist es, Welpen ihre Umwelt erkunden zu lassen:

Es ist dabei nicht primär wichtig, so viele Orte wie möglich mit dem kleinen Hund abzurattern, sondern ihm spielerisch seine Umwelt näher zu bringen (siehe Punkt 2 der VIT für Welpen) und geduldig zu sein, wenn er sich etwas ganz Bestimmtes länger ansehen möchte (siehe Punkt 6).

Mit einem Welpen die Welt anzuschauen, kann uns selbst wieder die Augen öffnen und uns aufmerksamer für unsere Umwelt machen. Schrickt der Welpe immer wieder bei einem Geräusch zusammen, das wir „schon gar nicht mehr hören“?
Können wir ebenso gut auf kleinen Hindernissen balancieren, wie die tapsige Flauschkugel vor uns? Haben wir eine gute Körperwahrnehmung oder sollten wir vielleicht gleich mit unserem kleinen Hund mitüben?

Nicht zuletzt soll unser kleiner Hund auch geregelten Kontakt zu Artgenossen haben. Das sind entweder erwachsene Hunde, die ein geduldiges Sozialverhalten mit Welpen an den Tag legen oder andere Welpen, die wir in der sorgfältig gewählten Welpenspielgruppe treffen. Ein paar ganz kurze Hinweise, welche eine gute Welpenspielgruppe ausmachen können.
– – große und kleine Welpen sind getrennt und die Welpen sind zusätzlich in Altersgruppen aufgeteilt
– – es sind mehrere TrainerInnen/Aufsichtspersonen anwesend, die eingreifen, wenn die Welpen zu wild werden
– – die Worte „die machen sich das schon selbst aus“ fallen NICHT
– – es ist genug Platz vorhanden um schüchterne Welpen „von außen“ zuschauen zu lassen
– – von den TrainerInnen werden zwischendurch Pausen verordnet (!)

 

Punkt 8 der VIT für Welpen: Aufmerksamkeit wird belohnt
Aufmerksamkeit, ein schwieriges Thema für unseren Welpen, der wie zuvor schon angesprochen des Umfelds entrissen wurde, in dem er aufgewachsen ist und nun mit einer völlig neuen Welt und neuen „Ansprechpartnern“ konfrontiert ist.

Natürlich hat dieser Welpe nun nicht nur Augen für uns. Gerade eben war die Rede davon, dass der kleine Hund in Ruhe seine Umwelt erkunden soll.

Nun ist UNSERE Aufmerksamkeit gefragt. So oft sehe ich Menschen, die ihren Welpen achtlos hinter sich herziehen, ungeduldig in ihr Handy sprechen oder auf die Uhr schauen. Der Welpe bemüht sich nach Kräften das Tempo zu halten, obwohl er sich lieber kurz hinsetzen würde und kommt irgendwann an die Seite seines Halters gelaufen. Schaut den Halter an. Und es passiert nichts.

Später wird dieser Mensch sich darüber beschweren, dass draußen „alles Andere wichtiger ist“ für seinen Hund, als er selbst. Aber ist das so eine große Überraschung. Dieser Mensch hat seinem Hund keine Aufmerksamkeit geschenkt, daher bekommt er nun auch keine.

Wie unschwer zu sehen ist, ist Aufmerksamkeit ein zweischneidiges Schwert. In dem wir unseren Hund für Aufmerksamkeit belohnen, wird unsere Aufmerksamkeit den Moment überhaupt wahrgenommen zu haben ebenso belohnt – von einem Hund, der uns beim gemeinsamen Spaziergang „im Auge behält“ und sich auch bei uns rückversichert, anstatt völlig autark jedes Problem alleine zu lösen.

Schaut daher der kleine Hund in Eure Richtung, nimmt er Blickkontakt auf, bevor er lossprintet, oder sieht er etwas, das ihn beunruhigt und drückt er deshalb seinen Popo oder eine Seite an Euer Bein, um sich Halt und Schutz zu suchen, verpasst diesen Moment nicht, seid achtsam und belohnt Euren Welpen für diese Aufmerksamkeit, die er Euch schenkt.

 

Punkt 9 meiner VIT für Welpen: Rückruf
Nun sind wir endlich beim letzten, aber auch bei meinem Lieblingsthema angelangt. Dem Rückruf.

Weil Welpen sich ohnehin schnell an ihre neuen HalterInnen anschließen und noch unsicher beim Erkunden der großen, weiten Welt sind, ist es einfach ihnen schon in sehr jungem Alter „zurückkommen“ beizubringen. Ihr Radius, den sie im Freilauf um uns haben ist sehr viel kleiner als der von einem rüpeligen Junghund und das sollten wir uns zunutze machen.

Es gibt unzählige Möglichkeiten den Rückruf zu üben. Gerade bei diesem Kommando zahlt es sich aber wirklich aus, sich gut zu informieren, sich sehr genau zu überlegen, was den besten Verstärker für den eigenen Welpen darstellt und ganz gezielt und langsam am Rückruf zu arbeiten. Viele ZüchterInnen arbeiten hier schon vor. Der Tierschutz-Welpe hat vom Rückruf natürlich keine Ahnung.

Warum ist der Rückruf beim Welpen nun so wichtig?

Weil er unserem Hund und uns die allergrößte Freiheit im Zusammenleben schenkt. Ein Hund der zuverlässig zurückkommt, muss im Grunde genommen gar keine anderen Kommandos können. Wir lassen ihn von der Leine (an der er ja mittlerweile leinenführig geht) und er kann dann entweder eine Runde laufen, oder wir rufen ihn zu uns zurück, weil eine Situation entsteht, in der wir unseren Welpen gerne nah bei uns hätten.

Ein sehr zuverlässiger Rückruf beim Welpen macht die Pubertät des Hundes für uns erträglicher und auch wenn er in dieser Zeit vielleicht nicht so perfekt funktioniert wie davor ist eine gute Vorarbeit einfach unersetzbar.

Hunde, die zurückgerufen werden können, können frei sein. Und HalterInnen, die ihre Hunde zurückrufen können, können sie davor bewahren Schaden zu nehmen oder Schaden anzurichten.

Nicht umsonst sagt man über Menschen, die laut rufen: „Der will nur spielen!“, dass sie währenddessen denken: „Und ich kann ihn sowieso nicht zurückrufen.“

Aber wollen wir wirklich so mit unseren Hunden spazieren gehen und ihn in im wahrsten Sinne des Wortes in eine Katastrophe nach der anderen laufen lassen?

Oder möchten wir das Gefühl von Sicherheit haben, wenn wir spazieren gehen? Das gute Gefühl zu wissen, dass unser Hund zu uns zurückkommt, wenn wir ihn zu uns rufen.