Ich stehe neben meinem Hund auf der Straße, habe einen Kloß im Hals und spüre, dass sich auch gleich Tränen anbahnen werden. Versuche sie runterzuschlucken. Matejas Augen sind weit aufgerissen, sie hechelt, sieht mich nicht an, schaut hektisch hin und her und bellt.

Die Hundetrainerin steht neben uns und gibt mir Anweisungen wann das Leckerli vor Matejas Nase soll. Ich soll sie doch endlich „in die Aufmerksamkeit holen“. Wir stehen an einer Straßenecke an der „normalerweise viele Hunde“ vorbeikommen und eigentlich sollte ich Mateja für ruhiges und erwünschtes Verhalten (nicht knurren, bellen und dergleichen) bestätigen. Soweit sind wir aber noch nicht.

Die Trainerin merkt, dass ich überfordert bin und fragt mich, was los sei. Ich antworte verrotzt, dass ich glaube, dass diese Situation meinen Hund überfordert und Mateja mir leid tut. Nein, das könne Mateja schon, ist die Antwort. Ich sage, dass MICH die Situation überfordert und ich sage das mit den Worten: „Wir sind noch nicht soweit.“ Die Hundetrainerin sieht das anders.

 

Eigentlich sollte Mateja in einer dieser Einheiten lernen, positiv auf den Anblick anderer Hunde zu reagieren. Ich hatte mich zwar für eine einfache Hundehalterin überdurchschnittlich viel mit dem Thema Hund befasst. Rückblickend gesehen kann man aber sagen, dass ich keine Ahnung von Training, Lernverhalten, Setting und so weiter hatte.

Und genau das war ja auch der Grund, warum ich mich an einen Profi gewandt hatte, um mir das Verhalten meines Hundes erklären und die Probleme die wir im Alltag hatten lösen zu lassen.

Aber dann stand ich da, sah, dass mein Hund unglücklich und extrem gestresst ist und meine Einwände von eben jenem Profi weggewischt wurden. Ich fühlte mich an diesem Abend verzweifelt, nicht ernst genommen und in die Ecke gedrängt und ich wusste, dass diese „Trainingseinheit“ schlecht für meinen Hund und auch für das in Zukunft von ihm gezeigten Verhalten sein würde.

Und leider passiert genau das tagtäglich mit HundebesitzerInnen, die Hilfe „beim Profi“, bei Hundetrainern und Hundetrainerinnen, suchen und dann Trainingsanweisungen erhalten, die sich für diese Menschen und ihre Hunde nicht gut anfühlen. Schlechtes Setting, mangelnde Vorbereitung und Überforderung der Hunde sind noch relativ weit unter der Schmerzgrenze der meisten HundebesitzerInnen und in solchen Situationen machen diese Menschen dann den Anweisungen des Profis weiter, weil sie sicher sind, dass die Anweisungen sorgfältig angeeignetem Wissen, hoher Qualifikation und jahrelanger Erfahrung entsprechen.

Natürlich kann es passieren (und jeder Trainer/jede Trainerin sollte ehrlich genug sein sich das einzugestehen), dass man als Hundetrainer/in das Setting einmal falsch wählt, weil man aus den vorherigen Trainingsstunden den Eindruck hat, dass der Hund und/oder der/die BesitzerIn die Situation schon bewältigen können. Sieht man dann aber, dass diese Einschätzung falsch war, ist man als HundetrainerIn gefragt den Fehler sofort zuzugeben und die Trainingsgegebenheiten entsprechend anzupassen.

Dieser Beitrag soll aber kein Appell an HundetrainerInnen sein, sondern die vielen HundehalterInnen ansprechen und sie bitten, genau darauf zu achten, was und wie der/die Hundetrainerin mit dem eigenen Hund umgeht und wie die Trainingseinheiten gestaltet sind. Und ein Appell, laut und deutlich „nein“ zu sagen, wenn man der Meinung ist, dass nicht im besten Sinne und zum Wohl des eigenen Tieres gearbeitet wird.

Man darf hierbei nicht vergessen, dass man als Kunde/in schließlich dafür zahlt, eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Man möchte, dass das „Problem“, das den Alltag mit dem Hund schwierig macht, gelöst wird. Man zahlt nicht dafür, sich schlecht und überfordert zu fühlen, man zahlt auch nicht dafür, dass der eigene Hund in Situationen gebracht wird, mit denen er (noch) nicht umgehen kann, dass er unfreundlich behandelt wird, oder ihm gar Schmerzen zugefügt werden.

Ich gehe ja auch nicht zur Maniküre und möchte pinkfarbene Nägel haben und lasse mich dann von der Kosmetikerin zu grünen Nägeln „überreden“ oder mich von ihr K.O.-schlagen, damit sie ihren Standpunkt klar machen kann.

Gleich vorab: ich habe an diesem Tag (oder eher Abend – leider hat sich die Szene bildlich in mein Gedächtnis eingebrannt) nicht „Nein“ sagen gelernt (aber ich habe keine weiteren Trainingsstunden gebucht). Ich musste mir diese Lektion lange und hart erarbeiten, weil ich grundsätzlich gelernt hatte das zu tun, was mir jemand mit mehr Qualifikationen und Wissen auf einem bestimmten Gebiet sagt.

Ich hätte vor Jahren an dieser Stelle sehr unhöflich herausplatzen können, dass ich dieser Hundetrainerin jegliche Qualifikation abspreche oder ich hätte es höflich formulieren können und zwar folgendermaßen: „Ich glaube, dass dieser Trainingsweg nicht für meinen Hund geeignet ist, er wirkt überfordert und ich möchte so nicht weitertrainieren. Wenn Du eine andere Lösung siehst, bei der mein Hund und ich uns im Training wohl fühlen, zeig uns diese bitte beim nächsten Mal.“

Und seid Euch ganz gewiss. Ein wirklicher Profi wird einen anderen Lösungsweg finden, mit dem Ihr und Euer Hund Euch wohl fühlen könnt, oder er gesteht sich ein, dass es besser wäre Euch an einen/eine KollegIn zu verweisen, die mehr Erfahrung auf einem bestimmten Gebiet hat.