Ich betrete mit meinem vierzehn Jahre alten Foxterrier das Wartezimmer meiner Tierärztin. Er wird zuerst überschwänglich von einem Mops begrüßt, den dessen Halter nach meinem durch die Zähne geknurrten: „Vorsicht, der ist ansteckend,“ schnell wieder an der Flexi-Angel „einholt“. Danach wird er von einer Dame wegen seines leichten Bein-Schepperns in schrillen Tönen als „ach Gott, wie aaaarm,“ betitelt und muss sich zu guter Letzt unter meinen Stuhl retten, als Mops und Ridgeback-Labrador-Hoppala-Welpe eine Spieleschlacht beginnen.

Mein alter Herr beweist während dieser fünfzehn Minuten sehr viel mehr Nervenstärke als ich selbst und legt den Kopf stoisch auf seine Pfoten.

Doch all das müsste grundsätzlich nicht sein, wenn HundehalterInnen ein wenig Rücksicht auf die menschlichen und tierischen Besucher des Wartezimmers nehmen würden.

Ich habe daher eine kleine Tierarzt-Wartezimmer „Nett-ikette“ zusammengefasst:

1. In Tierarzt-Wartezimmern entstehen meist erstaunlich wenige unangenehme Konfrontationen zwischen völlig fremden Hunden, obwohl die Räume klein und eng sind. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Hunde oft durch Schmerzen oder Krankheit geschwächt sind, sondern viele sich beim Tierarzt auch fürchten. Aus genau diesem Grund ist es nicht angebracht, Euren Hund zu anderen Hunden hinzulassen. Führt Euren Hund hinter Euch in das Wartezimmer und achtet darauf Euch einen Warteplatz zu suchen, der so weit wie möglich entfernt von einem anderen Hund ist. Ihr wollt schließlich Euren eigenen Vierbeiner nicht einer eventuellen Infektion aussetzen oder den anderen Hund in eine ihm unangenehme Lage bringen.

2. Lasst Eure Hunde nicht an Kleintierkörben schnüffeln. Die Kleintiere darin sind krank und haben Angst und Schmerzen – Ihr tut ihnen daher wenig Gutes, wenn Ihr Euer Raubtier an dem engen Behältnis schnüffeln lasst, in das sie gesperrt sind, ohne auszukönnen.

3. Zwingt Euren Hund nicht in ein Grundkommando wie „Sitz“ oder „Platz“ wenn er sehr aufgeregt ist. Es mag sein, dass er vor Angst (oder in den selteneren Fällen vor Vorfreude auf die Leckerlies beim Tierarzt) lieber hinaus möchte oder er an der Leine zieht. Wenn Ihr genügend Platz habt, lasst die Leine ein kleines Stück länger, damit er sich ein wenig hin und her bewegen kann oder bittet den/die Tierärztin Euch anzurufen, wenn Ihr an der Reihe seid, während Ihr mit Eurem Hund draußen beim Auto wartet oder noch eine Runde spazieren geht.

4. Lasst Euren Hund bitte nicht von Fremden anfassen und bemitleiden, wenn er diesen Kontakt nicht von selbst sucht. Die wenigsten Hunde möchten, wenn sie krank sind oder Schmerzen haben, von fremden Personen betatscht oder angekreischt werden. Ein höfliches „er/sie ist krank und möchte nicht angegriffen werden,“ wird im Tierarzt-Wartezimmer im Normalfall akzeptiert.

5. Redet nicht hektisch auf Euren Hund ein. Es ist verständlich, dass Ihr Euch um ihn Sorgen macht, sonst wärt Ihr ja nicht zum Tierarzt gegangen. Versucht aber Eurem Hund mit Ruhe und Zuversicht zur Seite zu stehen, um die ganze Situation angenehmer für ihn zu gestalten. Wenn er nicht zu nervös ist, um Leckerlies zu nehmen, belohnt ihn für ruhiges Warten.

6. Und zu guter Letzt – bitte redet die anderen Besucher des Wartezimmers nicht vor lauter eigener Nervosität nieder. Fragt um Himmels willen nicht nach, was das Tier des Wartezimmer-Nachbarn denn genau hat. Es könnte sein, dass der Mensch der Euch gegenüber sitzt, mit seinem Hund den letzten Gang zum Tierarzt macht. Er und sein Hund haben sich daher etwas Privatsphäre verdient.