Ich freue mich nun seit Wochen auf den neuen Hundefilm “A Dog’s Purpose“ (Deutsch: „Bailey – Ein Freund fürs Leben“) und habe ein paar Rührungstränen verdrückt, als ich den Trailer zum ersten Mal gesehen habe. Dieser Film stand definitiv auf meiner Must-Watch Liste.

Jetzt nicht mehr. Und von Rührung stammen meine heutigen Tränen auch nicht…

Ein Video von den Dreharbeiten zeigt einen Deutschen Schäferhund, der in ein Becken mit Wildwassersimulation springen soll. Die Trainerin ist im Wasser und fordert ihn auf zu ihr zu kommen. Der Hund hat Panik und versucht sich der Situation zu entziehen, wird aber von einem Helfer festgehalten und mehrfach am Halsband zum Beckenrand gezerrt und letzten Endes ins Wasser geworfen. Weitere Helfer oder Kameraleute kommentieren den Vorgang („Well, he ain’t going to calm down until he goes in the water. Just got to throw him in.“). Der Hund geht am Ende des Videos unter, die Helfer werden hektisch („Cut it, cut it) und die Trainerin schwimmt hysterisch schreiend auf die Stelle zu an der der Hund mit dem Kopf unter Wasser gerät.

Der Hund in diesem Video war auf die Situation und die Übung definitiv nicht vorbereitet. Immer wieder nimmt er visuellen Kontakt zu der Trainerin auf, er bleibt in seiner Aufmerksamkeit bei der Sache, aber er hat Angst und ist daher für dieses Setting einfach nicht gut genug trainiert.

Macht doch nichts – es ist nur ein Hund. Ist es nicht seine Bestimmung („his purpose“) von uns gequält zu werden?

Ist es nicht seine Bestimmung sich von Kindern am Schwanz ziehen zu lassen? Sich auf dem Hundefriseur-Galgen verschönern und strangulieren zu lassen? Oder nächtelang draußen in der Kälte das Haus zu bewachen? Es ist ja wohl seine Bestimmung, dass an ihm herumgedrückt und gezerrt wird. Dass er geschlagen wird, wenn er etwas nicht versteht.

Nein! Es ist definitiv nicht „A Dog’s Purpose“ geängstigt und genötigt zu werden, nur um in einer Filmszene dann heldenhaft das Wildwasser zu durchqueren.

Unsere Hunde sind tagtäglich Helden. Helden, die mit uns durch dick und dünn gehen und alle unsere Spinnereien (besonders im Bezug auf sie) geduldig mitmachen. Helden, die Kindern das aufgeschundene Knie wieder heilschlecken. Helden, die uns mit ihren großen Augen ansehen und versuchen uns zu verstehen. Helden, in deren weichem Fell wir unser Gesicht vergraben und die Schwierigkeiten des Alltags vergessen können. Helden, die uns lieben, auch wenn wir uns gar nicht liebenswert fühlen.

Ein Kinobesuch dauert (ohne Abendessen aber mit Fahrtzeit) etwa drei Stunden. Lasst uns diese drei Stunden gemeinsam für etwas Anderes verwenden. Halten wir uns drei Stunden in unserem Kalender frei – abends, wenn alles ruhig ist und wir keine Gedanken mehr an Arbeit oder andere Pflichten verwenden müsst.

Nehmen wir uns diese Zeit nur für uns und für unsere Hunde, die sich nie beklagen, wenn sie „nur mitlaufen“ und nicht unsere gesamte Aufmerksamkeit bekommen.

Finden wir gemeinsam heraus, was die Bestimmung („the purpose“) unserer vierbeinigen Helden ist.