Beschäftigung – ein Thema vor dem man sich als HundehalterIn ja schon fast fürchten muss.

Zuwenig Beschäftigung hat lästige Nebenwirkungen, zuviel Beschäftigung hat noch viel schlimmere Nebenwirkungen. Tun wir doch heute kurz so, als wäre Beschäftigung ein Medikament, bei dem es auf die richtige Dosis ankommt.

Aber warum braucht unser Hund dieses Medikament namens „Beschäftigung“ nun überhaupt?

Irgendwann sagte mal irgendwer: „Hunde müssen geistig ausgelastet werden.“ Dieses Thema kam auf, als Hunde keine Aufgabe mehr am Hof und im Haus hatten und damit zeitgleich zu dem Punkt, als sie zu Familienmitgliedern, Sozialpartnern, Kinderersatz und Accessoires wurden.

Beschäftigung soll also der Langeweile unseres Hundes entgegenwirken und nicht nur das. Bestimmten Rassen sagt man nach, dass sie „Beschäftigung brauchen“. Ganz unbedingt.

Nun sind Menschen bekanntlich sehr erfinderisch. Eine Hundesportart überholt die andere, neue Sportarten entwickeln sich aus alten. Es werden geistreiche Namen dafür erfunden Leckerlies zu verstreuen und Wissenschaften daraus gemacht, den Hund die unterschiedlichsten Gegenstände zu apportieren (oder sie per Maschine sogar selbst wegfliegen zu lassen).

Hunde sollen alle möglichen Tricks und Kniffe beherrschen, sie sollen tanzen, sie sollen ziehen, sie sollen springen und sie sollen mit allerlei Gerätschaften interagieren.

„Beschäftigte“ Hunde können sich daher nicht darüber beklagen, dass wir uns keine Gedanken machen würden, oder?

Ihre Menschen zeigen ihnen eine neue Übung oder ein neues Spiel und unsere Hunde stehen wedelnd vor uns und machen mit. Schließlich achten wir ja auch darauf, dass es nicht zuviel wird. Oder gar zu wenig.

Aber haben wir – als „Hüter der Beschäftigung unserer Hunde“ – nicht noch eine weitere Pflicht? Sollten wir nicht zuerst uns und dann sehr kritisch auch unseren Hund fragen, ob ihm diese Beschäftigung wirklich Spaß macht? Nicht umsonst spricht man bei Hunden von einem „will to please“, von ihrer entzückenden und entwaffnenden Art mit uns zu kooperieren.

Möchte mein Hund wirklich das Dummy apportieren und möchte er Tricks zur Musik machen? Will er wirklich wie ein Gehetzter einem Ball nachrennen oder über Hindernisse springen? Sucht er die verstreuten Leckerlies nur, weil seiner Nase keine anspruchsvollere Aufgabe geboten wird?

Die Wahrheit ist, wir wissen es nicht. Wir können unsere Hunde aber beobachten, ihnen dabei zusehen, was sie tun (ganz speziell wenn sie sich langweilen) und welche Beschäftigung ihre Augen zum Leuchten bringt. Wir können ihnen unterschiedlichste Angebote machen und ganz genau auf ihre Signale achten und schauen, bei welchen Aufgaben sie sich vor Arbeitseifer kaum halten können und wie welchen sie uns anwedeln und sich denken: „Okay, einmal mach ich es noch, aber nur weil du es bist!“

Beschäftigung ist und bleibt also ein schwieriges Thema für uns HundehalterInnen. Über- und Unterforderung müssen bedacht werden und als ob das nicht schon genug wäre, ist die Liste der Beschäftigungsmöglichkeiten unendlich lang und der Wille unserer Hunde etwas gemeinsam mit uns zu erleben riesengroß.

„Beschäftigen“ wir uns also einmal damit, was unser Hund wirklich gerne macht und womit wir ihn nicht nur geistig auslasten sondern ihm auch eine wirkliche Freude machen.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie Ihren Hund und fragen Sie Ihre Hundetrainerin.