Der Aufreger schlechthin – Terra Canis, das Hundefutter mit 100 %iger Transparenz bei der Deklaration, das sich durch frische und gesunde Inhaltsstoffe auszeichnet, verkauft Anteile an Nestlé, den „größten Lebensmittelhersteller der Welt“.

Die hochwertige Qualität des Futters soll unverändert bleiben, verspricht Brigitta Ornau. „Ihr Lieben, wir verstehen Euren Unmut, aber eine Beteiligung von Nestlé heißt in keinster Weise, dass sich irgendetwas ändert,“ heißt es da in einem Statement auf der offiziellen Facebook-Seite von Terra Canis.

Ich wage an dieser Stelle zu behaupten, dass Frau Ornau das Thema, das tatsächlich „Unmut“ erzeugt nicht so gut versteht, wie sie selbst denkt. Aber bleiben wir noch kurz beim Thema Qualität.

Terra Canis ist nicht der einzige Anbieter qualitativ hochwertigen Hundefutters und so wird unter HundehalterInnen, -ernährungsberaterInnen, -trainerInnen und TierärztInnen seit Release der Beteiligungsneuigkeit bereits ein reger Austausch zu Alternativen betrieben. Und die gibt es ja bekanntlich durchaus. Erstaunlicherweise werden relativ wenige Futter-Grundsatzdiskussionen vom Zaun gebrochen. Ab einem bestimmten Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Gräben nicht mehr so tief.

Machen sich die vielen verstimmten (Ex-) Terra Canis KundInnen daher wirklich so große Sorgen darüber, dass die Qualität des bisherigen Luxus-Pappi im Hundenapf nun unter der Beteiligung eines Großkonzerns leiden wird? Warum sollten Sie denn? Die allseits bekannte und beliebte, Hundefuttermarke mit den allerschönsten TV-Werbespots unter der Leitung des Schokoriegel-Magnaten MARS ist doch auch ein absoluter Feinschmecker-Spaß *sarkasmusende*.

Dieser aktuell erkennbare gleichförmige „Unmut“ entsteht aber nicht aus der (berechtigten) Sorge der bisherigen KonsumentInnen und im Hundebereich tätigen Fachkräfte, die ihren KundInnen dieses Futter bislang gerne und mit gutem Gewissen empfohlen haben.

Er entspringt der einfachen Tatsache, dass Nestlé für seine unethische Geschäftspraxis und für das Festhalten an Tierversuchen bekannt ist. Und niemand der seinen Hund so sehr liebt, dass er sich derartig große Gedanken um die Ernährung seines Lieblings macht (und so viel Geld dafür ausgibt) kann sich mit einer solchen Geschäftspraxis identifizieren.

Zur Frage der Privatisierung von Wasser möchte Frau Ornau sich nicht äußern. Sie gibt vielmehr den Ball an ihre KundInnen zurück und bittet diese sich zu fragen „[…] wie viele Produkte von Nestlé Ihr tagtäglich einkauft und konsumiert, in Form von Kaffee, Süßigkeiten und Lebensmitteln.“

Keine sehr elegante Form diese aus wirtschaftlichen Gründen möglicherweise notwendige aber gänzlich entgegen der eigenen Produktphilosophie getroffene Entscheidung zu rechtfertigen.

Immer mehr Menschen machen sich Gedanken darüber, wo ihre Lebensmittel herkommen, wer und welche Geschäftspraktik dahintersteht und natürlich achten sie auch darauf, wo das Futter ihres Lieblings seinen Ursprung hat und vor allem wen sie mit dem Kauf dieses Futters mitfinanzieren. Diese Entwicklung ist begrüßenswert und kein Geheimnis.

Gerade aus dieser Sicht ist es verwunderlich, dass dieser Punkt vor der Beteiligung von Nestlé nicht bedacht wurde. War Nestlé wirklich der beste Partner für eine Zusammenarbeit? War das Angebot „unschlagbar“?

Wir werden und müssen es nicht wissen. Wir müssen nur nach unseren eigenen ethischen Vorstellungen einkaufen gehen, weil das der einzige relevante und gleichzeitig unendlich wichtige und nachhaltige Einfluss ist, den wir auf solche Entwicklungen nehmen können.