Ich habe soeben die Polizei gerufen. Und das kam so:

Ich sitze mit einer Freundin in einem kleinen Holz-Pavillon auf einer Grünfläche. Der Hund, der am anderen Ende der Wiese gerade gespielt hat, wird von seinem Frauchen mit Maulkorb ausgestattet, dann kommen sie in unsere Richtung, wohl um die Wiese zu queren. Mein Gefühl sagt mir, dass wir unsere Hunde anleinen sollten, was wir auch machen.

Der Hund – ein unkastrierter Rüde – kommt zu uns, das Frauchen ruft ihn aus weiter Ferne. Er hört nicht, baut sich vor unseren Hunden auf und stürzt sich nach kurzem Starren auf Furio. Natürlich bricht das Chaos aus, wir springen auf und versuchen den Hund zu sichern. Meine Freundin nimmt die übrigen Hunde, ich bringe den bemaulkorbten Hund zu seinem Frauchen.

Da geht es auch schon los. Sie fragt was ich mir eigentlich erlaube und dass unsere Hunde ihren Hund attackiert hätten. Ihrer wäre „nur dagestanden“. Meines Erachtens war sie ja zu weit weg, um sich ein objektives Urteil dazu bilden zu können. Nur wegen hysterischen Kläffern wie unseren müsste ihr Hund überhaupt mit Maulkorb gehen.

Furio hat ein kleines, leicht blutendes Cut am Kopf, kaum der Rede wert, aber dennoch sichtbar. Ich weise die Dame darauf hin, dass ihr Hund nicht ausreichend gesichert war. Ein Argument, das sie mit Hinweis auf den (übrigens zu kleinen und einengenden) Maulkorb ihres Hundes abschmettert. Ich erkläre, dass mein Hund eine Verletzung hat und dass dies sehr wohl passieren kann, wenn ein Metall-Maulkorb massiven Kontakt zu einem Hundekopf hat.

Da Furio nicht ernsthaft verletzt ist und ich keine Lust habe mit jemandem zu diskutieren, der so unhöflich und vor allem unreflektiert durch die Gegend läuft, bitte ich die Dame zu gehen. Das tut sie nicht, sondern streitet wild mit mir weiter. Nicht nur das, letzten Endes packt sie dann auch die Armer-Listenhund-Masche aus und beschwert sich darüber, dass wegen Menschen wie uns ihr armer Hund nirgendwo gehen darf.

Unterbrechen wir an diesem Punkt kurz.

Es ist also ein Listenhund.

Ist das aber tatsächlich das Problem um das es hier geht?

Warum ist dessen Frauchen nicht einfach zu uns gekommen, hat ihren Hund entgegengenommen und sich dafür entschuldigt, dass er unsere angeleinten Hunde angesprungen und meinem Hund ein Cut verpasst hat? Hat das etwas mit schlechter Erziehung, Stolz oder einfach nur mit Dummheit zu tun?

Leider nein – es ist ein weit verbreitetes Übel unserer Zeit lieber zuerst mit haltlosen Anschuldigungen sein Gegenüber vernichten zu wollen, anstatt einzugestehen, dass man einen Fehler gemacht hat.

Es hätte schon ausgereicht: „Es tut mir leid, dass mein Hund sich so benommen hat – ich dachte nicht, dass er zu Ihnen läuft,“ zu sagen. Das würde zwar von einer schlechte Einschätzung des eigenen Hundes beziehungsweise einem nicht vorhandenen Rückruf-Signal zeugen, wäre aber immerhin eine Entschuldigung, bei der ich zwar nicht gleich zerflossen wäre, die aber zumindest sofort meinen Ärger befriedet hätte. So eine Entschuldigung kam nicht.

Wenn HundehalterInnen dermaßen rücksichtlos durch die Gegend laufen ist es doch kein Wunder, dass Nicht-HundehalterInnen so einen schlechten Eindruck von uns Hundemenschen haben. Und dass ich selbst mittlerweile Nicht-HundehalterInnen lieber begegne, als den Menschen, die Hunde lieben und mir im Geiste daher verwandt sein sollten.

Langer Rede kurzer Sinn, die Dame kam meiner Bitte einfach weiterzugehen nicht nach, eine Entschuldigung war auch nicht zu erwarten und ihr Geflegel wollte ich mir dann doch nicht mehr länger gefallen lassen.

Die Polizei kam und hat das Problem für uns gelöst. Auf eine Anzeige habe ich verzichtet, weil Furio nicht ernsthaft verletzt ist. Ich bete, dass dieses miese Erlebnis keine Auswirkungen auf sein traumhaftes (auch inner-rüdliches) Sozialverhalten haben wird.

Und ich lerne aus dieser Situation wieder etwas und werde beim nächsten Mal, wenn ich ein ungutes Gefühl habe meine Hunde nicht anleinen, um ein unbehelligtes Vorbeigehen zu ermöglichen. Ich werde in Zukunft meine Hunde zusammenpacken und einen riesengroßen Bogen um die Marschroute solcher Trampel machen.