Mateja springt wieder. Und deshalb werde ich heute einmal sehr, sehr persönlich schreiben.

Ich schreibe diese Zeilen, weil ich vor einem Monat einen kleinen Vortrag über Hunde mit Handicap gehalten habe. In diesem Vortrag habe ich mehrfach auf die finanziellen Belastungen hingewiesen und auch auf andere Punkte, an die man denken sollte, bevor man einen behinderten Hund adoptiert.

Aber einen Punkt habe ich nicht erwähnt – und das ist einer, der nicht nur Hunde mit Behinderung betrifft. Es ist die Situation, der sich jeder und jede HundehalterIn irgendwann stellen muss. Wenn es dem eigenen Hund einmal nicht mehr gut geht und auch nie wieder so gut gehen wird „wie früher“.

Viele von Euch wissen, dass Mateja schon seit einigen Monaten Schmerzen und große Probleme mit ihrem Bewegungsapparat hat. Das ist diesmal keine Phase, so wie früher, ich kann sie mit Physiotherapie und Chiropraktik nur noch unterstützen, wir kommen aber nicht mehr zu dem Spielraum zurück, den mein wildes Dreibein so lange hatte.

Bestimmt ist Euch aufgefallen, dass sie auf Fotos nicht mehr mit Brustgeschirr, sondern mit ihrem Halsband zu sehen ist. Das liegt daran, dass das Gewebe rund um den Muskel hinter ihrem rechten Vorderbein geschwollen ist und vermutlich auch eine Entzündung mitspielt. Das Geschirr drückt daher unangenehm und das möchte ich meiner Maus zu den Schmerzen, die im Moment ohnehin ihre täglichen Begleiter sind, nicht antun.

Schmerzen. Sie sind ja sinnvoll, erfüllen einen ganz bestimmten Zweck. Sie dienen dem Schutz und damit auch dem Überleben. Sie sollen dem Körper signalisieren, dass er sich zurücknehmen muss.

Und genau das liegt nicht in Matejas Interesse. Natürlich hat sie sich die letzten Monate zurückgenommen, gezwungenermaßen, weil sie Schmerzen hat. Und ich habe diese Zustand so belassen, da ich wollte, dass sie sich schont.

Das Schonen hilft aber nicht mehr, da Matejas Körper an einem Punkt ist, an dem es keine Besserung mehr gibt. Meine wilde Mäudi verzweifelt an sich selbst. Sie kommt nicht mehr aufs Bett, wenn sie das möchte, sie kann nicht über Baumstämme springen und sie schafft es nicht mehr alleine aus dem Liesingbach heraus. Sie benötigt Hilfe, möchte diese aber nicht annehmen.

Mateja war immer schon ein sehr selbstständiger Hund. Trotz ihrer anfänglichen Unsicherheiten hat sie immer versucht, selbst einen Weg zu finden. Sie ist eine Rebellin, die sich gegen Hilfestellungen immer verwehrt hat.

Bei einem steilen Stück Weg mit einer Schlaufe getragen werden – braucht sie nicht.
Stelle ich ihr ein Treppchen zum Bett, wurstelt sie sich daneben hinauf und schlägt sich dabei das Knie an. Ob wir das mit dem Treppchen geübt haben? Natürlich – aber sobald sie unbeobachtet ist, verwendet sie das Ding nicht mehr.
Auch den Mantel im Winter (der das erste Utensil dargestellt hat, das ich ihr „zu ihrem Wohl“ verpasst habe) hat sie lange Zeit als schreckliches Unding angesehen.

Mateja ist körperlich behindert, hat die damit verbundenen Einschränkungen aber geistig nie akzeptiert und möchte es auch jetzt nicht tun.

Und genau das ist der Punkt, der für mich als ihre Schutzbefohlene so schwer zu ertragen ist. Zu sehen, wie sie an sich selbst und an ihrem plötzlichen Unvermögen verzweifelt, ist schrecklich.

Ich habe daher begonnen Mateja Schmerzmittel zu geben. Auch dieser Prozess war natürlich nicht einfach. Zuerst habe ich ein Schmerzmittel ohne Entzündungshemmer gegeben – ohne Erfolg. Auf das nächste hat sie (trotz Magenschutz) gleich eine Gastritis bekommen.

Aber jetzt sind wir auf dem richtigen Weg. Mit dem neuen Schmerzmittel lacht meine Maus wieder. Und sie springt wieder. Über niedrige Baumstämme.

Das verdanken wir der tollen Unterstützung durch unsere Hunde-Chiropraktikerin, unsere Tierärztin und Matejas unglaublichem Willen das Leben nicht halb zu leben, sondern in vollen Zügen auszukosten.