Zuletzt habe ich Euch meine Meinung zu körperlichem Spiel mit Hunden geschildert und bin grundsätzlich der Ansicht, dass man so etwas nicht nachmachen sollte.

Ich weiß, dass ich mich im Folgenden auf sehr glattem Eis bewege – grundsätzlich ist jeder Mensch für sich selbst verantwortlich, ebenso aber für seine Schutzbefohlenen und das sind der eigene Hund und die eigenen Kinder. Möchte man auf Nummer sicher gehen, muss man von körperlichem Spiel mit Hunden schlicht abraten.

Körperliches Spiel mit unseren Hunden kann unter bestimmten Voraussetzungen und mit gewissen Spielregeln nicht nur möglich, sondern auch für beide Spielpartner spaßig sein. Daher werde ich versuchen einen Überblick über die wichtigsten Punkte, die man dabei beachten sollte zusammenzufassen.

 

Von welchem Spiel sprechen wir hier eigentlich?

Die Art zu spielen, die ich hier beschreibe findet am häufigsten zwischen Männern und ihren Hundekumpels statt. Es ist kein Spielzeug beteiligt, dafür wird mit mehr oder weniger starkem Körpereinsatz (rempeln, zwicken, am Boden herumtollen) gearbeitet.

Wildes, körperliches Spiel putscht unsere Hunde auf und führt dabei zu einem stark erhöhten Erregungslevel. Wer auf diese Art mit seinem Hund spielt, muss in Kauf nehmen, kleinere, körperliche Beschädigungen davonzutragen und darf seinem Vierbeiner dann auch nicht gram sein.

Man kann aber ebenso mit seinem Hund körperlich spielen und sich zu ihm auf den Boden begeben, ohne dabei die Aufgeregtheit zu hoch kochen zu lassen.

 

Wie sollte Mensch gebaut sein, um körperlich mit seinem Hund spielen zu können, ohne sich dabei selbst in unnötige Gefahr zu bringen?

Kinder dürfen meines Erachtens nicht körperlich mit einem Hund spielen. Ganz grundsätzlich sollte das Spiel von Kind und Hund immer durch einen Erwachsenen beaufsichtigt werden. Dieser sollte für beide die Spielregeln festlegen und seinem Kind auch genau erklären und zeigen, wie es mit dem Hund spielen darf.

Auch bei Jugendlichen ist Vorsicht geboten. Wie schon erwähnt darf man einem Hund, mit dem man rauft nicht böse sein, wenn er seinerseits zurückrüpelt. Dieses Spiel mit unseren Hunden setzt daher auch eine gewisse geistige Reife voraus und ein „nicht nachtragend sein“.

 

Was passiert währenddessen mit unseren Hunden?

Körperlich wildes Spiel setzt eine gute Beobachtungsgabe und gute Kenntnis hündischem Ausdrucksverhaltens voraus. Der Punkt, auf den hierbei häufig vergessen wird ist der Hund selbst. Wie in meinem vorigen Blogbeitrag geschrieben, achten Hunde grundsätzlich auf unsere Haut und unser Gesicht und verfahren mit unserem Körper eher vorsichtig.

Wenn Mensch nun mit seinem Gesicht ganz nahe an das Hundegesicht kommt und vielleicht noch spielerisch knurrt, bringen wir unsere Hunde damit in eine enorme Konfliktsituation. Sehr häufig sieht man auf Videos, die solche Spielesituationen zeigen, Hunde, die keineswegs nur Spaß an der Sache haben, sondern diese Annäherung entweder bedrohlich finden, oder mit deutlichem Zwiespalt im Ausdruck versuchen nicht zu wild zu agieren, obwohl „ihr“ Mensch mit seinem Verhalten genau das herausfordert.

Ohne näher darauf eingehen zu wollen (da es hier meines Erachtens immer um eine Einzelfallbetrachtung geht) gibt es Hunde, die aufgrund ihrer Vorgeschichte oder ihrer Körpergröße (und –kleine) für solche Spiele wirklich absolut ungeeignet sind. Bestimmte Rassen möchte ich hier nicht ausschließen, weil das körperliche Spiel zwischen Hund und HalterIn auch stark von der Beziehung der beiden abhängig ist.

 

Die Spielregeln:

Hat Euer Hund ein Abbruchsignal, das für ihn bedeutet: „Bitte hör sofort mit dem auf, was Du gerade tust.“? Wenn die Antwort darauf „Nein“ lautet, solltet Ihr von stark körperlichem Spiel Abstand nehmen.

Ein guter Weg solch ein Spiel nicht ausufern zu lassen wäre auch ein Start- und Stopp-Signal. So etwas lässt sich leicht ritualisieren und ein „willst Du raufen“ kann den Beginn einer rüpelhaften Actionspielrunde bedeuten, während „Ende“ den Schluss dieses Spieles markiert. Männer – die solche Spiele ja auch klar bevorzugen – haben solche Rituale mit ihren Hunden ganz intuitiv geübt. Sieht man genau hin, gibt es meist ganz bestimmte Begrüßungssignale, die dem Hund sagen: „Jetzt darfst Du grob werden.“

Auch das schon angesprochene „nicht nachtragend sein“ ist eine der wichtigsten Spielregeln, wenn es wild wird. Wird man körperlich mit seinem Hund, muss man grundsätzlich kleinere Beschädigungen in Kauf nehmen. Alles Andere wäre unfair und nicht nachvollziehbar für unsere Hunde. Besonders von einigen männlichen Hundehaltern kann man hier viel lernen – sie raufen wild und grob mit ihren Hunden, sind aber auch nicht böse, wenn sie dann mal ins Ohr oder in die Nase gezwickt werden.

Grundsätzlich empfiehlt es sich außerdem unseren Fellnasen zuallererst beizubringen, dass vorsichtig mit unserem doch eher leicht beschädigbaren Körper verfahren wird. Erst wenn ein Hund gelernt hat, dass er nicht in Menschenhaut zwicken soll, kann man sich langsam an wilderes Spiel herantasten, weil auch der Hund gehemmter an den Spaß herangehen wird.

Kennt Ihr die Hunde, die beim wilden Spiel mit Artgenossen ohne darauf zu achten, dass sie ihre Menschen verletzen könnten in Menschenbeine und –knie hineinlaufen? Dieselben Hunde würden niemals mit demselben Schwung in einen Baumstamm rennen.

Und das ist auch mein Lieblingspunkt: möchtet Ihr wirklich mit Eurem Hund körperlich spielen, der mehr Sorge um die Unversehrtheit eines Baumes als um Eure eigenen hat?

 

Warum sollte nun irgendjemand auf die Idee kommen, so mit seinen Hunden zu spielen?

Körperlich mit seinem Hund zu spielen kann eine wunderbare Sache sein. Wäre dem nicht so, würde es ja niemand machen.

Achtet aber bitte nicht nur auf Eure eigene Sicherheit, sondern auch die Eures Hundes. Nehmt Rücksicht auf ihn und bringt ihn nicht in unnötige Konfliktsituationen, die Eurer Beziehung schaden.

Und: macht Euch doch einmal ein Video vom körperlichen Spiel mit Eurem Hund und seht es Euch nachher ganz genau an. Es ist immer interessant von Außen zu betrachten und nicht mittendrin zu sein.