Woran liegt es, dass manche HundehalterInnen beim Training guten Erfolg vorweisen können und manche nicht?

Training ist technisch.

In meinen nächsten Beiträgen werde ich mich mit einigen Punkten, wie Belohnung, Strafe und Verhalten auseinandersetzen und auch damit, wie diese zum Einsatz kommen können.

Heute möchte ich aber den Faktor „Zeit“ ansprechen. Hundetraining braucht Zeit. Und es erfordert besonders von uns Menschen ein gewisses Maß an Geduld. Ich will damit nicht sagen, dass auf positiver Verstärkung basierendes Training lang braucht – ganz im Gegenteil, mit dem richtigen Aufbau geht es rasend schnell.

Training braucht nur dann lang, wenn Menschen ungeduldig sind.

Wir bringen unseren Hunden aus Hundesicht gesehen völlig absurde Dinge bei. Sie sollen diese Dinge aber nicht nur lernen. Wir erwarten, dass sie komplexe Verhaltensketten „verstehen“ und auf Signal zeigen. Dabei soll es egal sein, wo wir uns gerade befinden, welches Wetter heute herrscht, wie der Untergrund beschaffen ist, auf dem unser Hund steht und welche Ablenkungen gerade vorbeizischen. „Der kann das schon,“ oder „der weiß ganz genau, was ich von ihm will, aber er ist stur“ sind Trugschlüsse.

Und nur diese verhindern, dass wir unsere Hunde wirklich erfolgreich trainieren.

Unterbrecht hier für einen Moment und stellt Euch mit ein paar Leckerchen vor Euren Hund. Bringt ihn (egal ob mit oder ohne Leckerli/Handsignal und dergleichen) in eine Platzposition und füttert ihn. Sagt dann „Sitz“ zu ihm.

Oder stellt Euch vor Euren stehenden Hund und sagt „Platz“ – weiß Euer Hund wirklich was „Sitz“ und „Platz“ bedeutet und versteht er, dass das unterschiedliche Signale sind?

Nehmen wir das Beispiel „Platz“. In den meisten Hundeschulen wird gelehrt, dass man den Hund mit einem Leckerli in der Hand ins Platz locken soll, in dem man die Hand vor der Nase des Hundes auf den Boden führt. Dazu rufen alle schon mal sicherheitshalber „Platz“ vor oder nach oder während dem Handsignal. „Später baut Ihr das Handsignal dann ab,“ sagt vielleicht jemand. Oder es gibt dazu überhaupt keine weiteren Anweisungen. Euer Hund hat ja nun gelernt „Platz“ zu machen und das funktioniert mit mehr oder weniger viel Gefuchtel auch wunderbar auf einem Teppich im Wohnzimmer und am Hundeplatz.

Leider funktioniert das nicht ohne Handsignal, es funktioniert nicht ohne Leckerli, nicht im Schnee oder auf Schotter, nicht wenn es regnet und nicht wenn Ihr ein paar Einkaufstaschen tragt.

„Platz“ üben könnte auch so aussehen (Achtung, auch dies ist eine stark vereinfachte Aufzählung):

  1. Man beginnt mit mehreren Wiederholungen, in denen man mit dem Leckerli in der Hand den Hund in eine liegende Position lockt.
  2. Dann kommen Wiederholungen, in denen man kein Leckerli mehr in der Hand hält, aber noch das Handsignal verwendet und erst dann mit Leckerli belohnt.
  3. Im nächsten Schritt wird sich Euer Hund von selbst beginnen hinzulegen.
  4. Erst dann kommt das Wortsignal und zwar vor das bis dato verwendete Handsignal.
  5. Es folgen mehrere Wiederholungen an unterschiedlichen Orten
  6. Und noch mehr Wiederholungen, in denen der Hund länger als ein paar Sekunden liegen bleiben soll

Das klingt mühselig und lange?

Unsere Ungeduld steht uns hier im Weg. Während für unseren Hund jeder Teilschritt ein neuer Lernvorgang ist und jeder dieser Teilschritte spannend ist, können wir uns vor Ungeduld gar nicht halten, weil der Hund „so lange braucht“ um das zu verstehen.

All diese Schritte können übrigens in einem Tag durchgeführt werden. Es dauert oft nur ein paar Minuten, bis man zum nächsten Schritt übergehen kann. Der Hund lernt dabei ganz exakt, was er tatsächlich tun soll und läuft nicht blind einem Leckerchen hinterher.

Außerdem übt er in unterschiedlichen Settings – der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Auf diese Art und Weise wird er das Gelernte später auch besser in Situationen umsetzen können, die bis dato noch nicht geübt wurden.

Der Weg ist das Ziel!

Machen wir uns von dem Gedanken los, im ersten Trainingsschritt gleich das fertige Ergebnis sehen zu wollen, dann können wir unseren Hunden dabei zusehen, wie sie in allen Teilschritten großen Spaß und Erfolg beim Lernen zeigen. Wir können dann auf uns und unsere Fellnasen stolz sein, dass wir die Übung ohne zu „Schummeln“ gemeistert haben.

Mit geduldigem Training und vielen kleinen Teilschritten können wir unserem Hund das Signal nämlich bald auch überall, mit jeder Ablenkung und jedem Untergrund geben und müssen keine Ausreden erfinden, oder sogar unsere Hunde beschuldigen, dass sie „das doch schon längst können“ müssten. Wir werden mit dieser Art zu trainieren ganz genau wissen, wo unsere Hunde welchen Schwierigkeitsgrad schon beherrschen und werden keine unmöglichen Dinge von ihnen verlangen.