Wenn man Mateja einen Gegenstand hinhält wird sie zuerst daran schnuppern, dann mit der Nase dranstupsen, mit der Pfote darauf tappen und ihn ins Maul nehmen. Legt man ihr den Gegenstand auf den Boden, wird sie sich wohl auch noch daraufstellen und versuchen ihn zu werfen. Dazwischen folgt jedesmal ein fragender Blick zu dem Menschen, der ihr den Gegenstand präsentiert. Man muss also grundsätzlich nur noch auswählen, welche dieser Verhaltensweisen man in Zukunft sehen möchte und diese belohnen. Beim nächsten Versuch wird sie das bestätigte Verhalten gleich nochmal zeigen.

 

Mateja hat gelernt zu lernen.

Sie hat herausgefunden, dass man mit Gegenständen ganz variabel interagieren kann. Dass man sie tragen, werfen, anstupsen, ziehen und noch vieles mehr mit ihnen tun kann. Und vor allem hat sie gelernt, dass es sich für sie auszahlt verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren.

Auf diese Art und Weise ist es ein Leichtes, Mateja sehr schnell neue Tricks beizubringen. Ihre Lernkurve ist dann um einiges steiler und der Weg zum fertigen Trick sehr viel kürzer als bei einem Hund, der selten Neues lernt.
Matejas Herangehensweise birgt aber nicht nur für das Training von Übungen, die grundsätzlich keinen weiteren Nutzen für den Hund haben, große Vorteile. Durch das dadurch gewonnene Wissen, dass verschiedene Verhaltensweisen sie zum Ziel bringen können, findet Mateja auch in ganz anderen Situationen oder mit völlig neuen Objekten kreative Lösungen und weiß sich damit selbst zu helfen.

Bei einem Telefonat mit einer Bekannten habe ich einmal erwähnt, dass ich Mateja gerade beibringe, auf Kommando die Leine vom Boden aufzuheben und sie mir in die Hand zu geben. „Na das kannst Du meinem ja auch gleich beibringen, ich zahl’s Dir,“ war die Antwort.

Nun ist es aber so, dass viele Hunde in ihrem Leben gar nichts Besonderes üben. Es gibt keine Tricks, keine Suchspiele, keine Intelligenz-Holzspielzeuge oder Ähnliches. Ein bisschen spazieren gehen, ein Ausflug in die Hundezone, kuscheln und Bällchen werfen. Bitte nicht falsch verstehen – das ist ja auch nichts Schlechtes.

Hunde, die keinerlei kreative Förderung erfahren sind deshalb auch nicht so viel schlechter dran. Wenn sie damit zufrieden sind leben sie ein ganz normales, gemütliches Hundeleben.

 

Man darf sich als HundehalterIn dann aber keine Illusionen machen.

Einem Hund, der nicht gelernt hat, zu „lernen“, kann man nicht in kurzer Zeit einen bestimmten Trick abverlangen, nur weil man gerade davon gelesen oder gehört hat. Das scheitert schon alleine daran, dass man selbst nicht die Übung darin hat, seinem Hund etwas beizubringen.

Hält man so einem Hund dann einen Gegenstand hin, kann man schon froh sein (und es bitte auch belohnen), wenn der Hund sich diesem Gegenstand ein kleines Stück nähert, ihn ansieht oder eventuell sogar seine Nase in die Richtung bringt. Viele Hunde sind durch diese „Tu etwas damit“-Frage auch völlig überfordert und reagieren mit unsicherem Fiddle-Verhalten*.

Aber auch in anderen Situationen, die neu oder überwältigend sind, reagieren solche Hunde oft eher hektisch und planlos. Sie konnten schlicht zu wenige Erfahrungen im Lösen von „Problemen“ machen und haben daher keine Idee, wie sie reagieren sollen.

Selbstverständlich rate ich dazu, Hunde kreativ sein zu lassen und Aufgaben für sie zu finden.

Ich möchte aber nicht dazu plädieren, dass aus einem Spazieren-Kuscheln-Hundezone-Hund ein Trick-Profi gemacht wird. Man darf von einem Hund, der sonst nie irgendein Problem lösen muss, oder alternative Verhaltensweisen zeigen soll, aber auch nicht verlangen, dass er in Lichtgeschwindigkeit lernt, eine Leine vom Boden aufzuheben und seinem Halter/seiner Halterin in die Hand zu geben.

 

Lernen will gelernt sein.

Tastet Euch also langsam an dieses Thema heran, weil auch wir Menschen uns viele neue Verhaltensweisen angewöhnen müssen, wenn wir erfolgreich mit unseren Hunden trainieren möchten. Fangt klein an und gebt Euch und Euren Hunden Zeit.

 

 

*Bewältigungsstrategie zum Lösen einer Situation, die den Hund stresst (in diesem Fall der Wunsch des Besitzers/der Besitzerin, dass der Hund irgendeine Verhaltensweise zeigt, oft ohne selbst so sicher zu sein, was er eigentlich zeigen soll) durch Übersprungshandlungen wie Spielverhalten und „Herumgeblödel“