Ich jogge am Strand entlang und beglückwünsche im Vorbeiziehen einen Herrn zu seinem schönen Deutsch Drahthaar-Pärchen. „Danke, aber es ist gar nicht so einfach hier,“ kommentiert er während seine Hündin die Nase in Richtung Baum reckt. „Wegen der Eichhörnchen,“ sage ich und er lacht zustimmend.

Bin ich aber entspannt. Ich bin ohne meine Hunde auf Urlaub – weiß sie jedoch in den sechs besten Händen. Es wäre kein Urlaub, wenn ich nicht täglich Fotos von ihnen bekommen würde, damit ich mir keine Sorgen um ihr Wohlbefinden mache. Selbstverständlich fehlen sie mir. Sehr sogar. Aber hier einmal ganz entkoppelt von meinem Lieblingshobby und gleichzeitig meinem Lieblingsberuf zu sein, hat auch seine Reize.

Im Urlaub bin ich keine Hundetrainerin mehr.

Dass dieser Zustand keine Hundetrainerin zu sein etwas Besonderes ist, hat aber schon früher begonnen. In meinen ersten Jahren der intensiven Beschäftigung mit dem Thema Hund kam ich auf der Straße an keinem Hund-Halter-Team mehr vorbei. Ich sah Menschen mit ihren Hunden auf unmögliche Art und Weise umspringen und ärgerte mich fürchterlich.

Auch wenn ihr Verhalten gar nicht so verwerflich war, sondern sie einfach nur kleinere Fehler machten, hörte ich mich im Geiste schon Lerngesetze rezitieren. Sah ich einen Hund sich auffällig bewegen oder verhalten, musste ich mir auf die Zunge beißen, die BesitzerInnen nicht zu fragen, ob sie schon einen Termin beim Experten ausgemacht hätten.

Und wenn jemand mich auf der Suche nach der Lösung des Problems mit seinem Hund um meine Meinung fragte, gab es von mir Antwort. Immer. Ausschweifend. Idealistisch. Fertig gebastelte Trainingspläne für Fremde in der Hundezone.

Es hat nicht sehr lang gebraucht mir dieses Verhalten abzugewöhnen und mittlerweile ist es so, dass mein ehemaliges Hobby mein Beruf und meine Berufung geworden sind. Ich bin daher mittlerweile richtig ignorant geworden, was Besitzer angeht, die im Alltag Probleme mit ihrem Hund haben. Bellt ein Hund im Restaurant ohne Unterlass und sieht meine Familie mich daraufhin erwartungsvoll an, kommt von mir nur ein „Was ist denn los?“ und man muss mir erst erklären, dass am Nebentisch ein Hund bellt. Ich höre das nicht einmal mehr.

Und tatsächlich ist es nicht so, dass ich Hunde und ihre HalterInnen bewusst ignoriere. Sie sind aus meinem Blickfeld verschwunden. Wenn ich nicht gerade vorausschauend mit Mateja gehen muss, weil sie an der Leine unentspannt mit ihren Artgenossen umgeht, höre und sehe ich andere Hunde gar nicht mehr.

 

Aber im Urlaub ist das plötzlich alles anders.

Ich bin dieses Jahr nicht so abgespannt in den Urlaub gefahren wie sonst, ich habe meine eigenen Hunde nicht zum Knuddeln hier und ich ertappe mich dabei, wie ich wohlwollend all die unterschiedlichen Hündchen betrachte, die sich hier bewegen. Ich sehe kleine Fluffies, viele Jagdhunde, ich spiele das „Welche Rasse ist das“-Spiel mit mir selbst und ich lächle sie und ihre HalterInnen erfreut an.

Auf Bemerkungen meiner Großeltern, warum der Hund am Nebentisch ein dunkelbraunes und ein hellblaues Auge hat und ob das nicht nur bei Huskys so wäre, reagiere ich nicht ungeduldig und kurzangebunden, sondern gebe eine erklärende Antwort, um mich dann wieder meinem Latte Macchiato zu widmen.

Es macht mir hier in Kroatien wieder Spaß in meiner Freizeit Hunden und ihren Menschen zuzusehen und es ist eine herrlich erholsame Erfahrung eine Hundetrainerin im Urlaub zu sein.

Weil ich im Urlaub eben keine Hundetrainerin bin.