Heute möchte ich Euch etwas von Kormos erzählen.

In Ungarn ist das mit der Hundehaltung ja ein bisschen anders, als in unseren Breiten. Viele Hunde leben ganzjährig draußen. Sie sind zwar dennoch Familienmitglieder, werden aber nicht so verhätschelt und vermenschlicht, wie das bei uns passiert.

Kormos ist die alte Hündin der Großeltern meines Lebensgefährten. Es hat schon lang gedauert überhaupt herauszufinden, dass es eine Hündin ist, schließlich sprechen alle nur von „dem Hund“ und von „Kormos“ und die schwarze, alte Dame verbellt grundsätzlich jeden Eindringling der sich dem Grundstück nähert, oder es gar wagt dieses zu betreten.

Wenn ich daher mit meinen Hunden auf Besuch bin, sind kreative Managementmaßnahmen und ein bisschen Fingerspitzengefühl in der Kommunikation mit den Großeltern gefragt. Schließlich bin ich vermutlich ein Alien, wenn ich den Wunsch äußere, dass meine Hunde nicht nur ins Haus, sondern auch ins Bett (psssst, das ist bis heute ein Geheimnis) müssen. Und zwar nicht nur in der Nacht.

Dennoch lebt Kormos wohl ein für ungarische Hundeverhältnis eher ungewöhnliches Leben.

Sie darf in bestimmte Räume des Hauses, hat die voll beheizte Garage und eine eigens für sie und ebenfalls beheizbare Hundehütte zur Verfügung, die sie auch gern nutzt.

Frühmorgens steht ihr Herrli auf, nimmt sie an die Leine und geht einen Runde mit ihr spazieren und Frühstück holen. Damit hat Kormos schon vielen Hunden, die ihren Garten nie verlassen dürfen (und das kommt ja auch bei uns in ländlichen Gegenden sehr häufig vor), einen ganz wichtigen Punkt an Wohlbefinden voraus. Sie kann ihrem Erkundungsverhalten nachgehen, „Zeitung lesen“ und auch mal etwas Anderes als ihre eigenen vier Wände und Zaungrenzen sehen.

Wenn Frauchen dann aus dem Haus kommt, gibt es immer ein paar Leckerlies, ganz ruhig und gemächlich trottet Kormos mit ihr durch den Garten.

Nun war ich diesmal nicht nur für eine, sondern gleich für fünf Übernachtungen hier und die Hunde ließen sich so lange natürlich nicht völlig trennen. Wir haben daher eine erstaunlich gelassene und freundliche Zusammenführung der Hunde im Garten erlebt.

Die Hausherrin, Frau Kormos, natürlich unangeleint, Furio ebenfalls (weil höflich und im Zweifel schnell genug um sich in Sicherheit zu bringen, falls die Dame doch auf ihr Vorrecht bestehen sollte) und Mateja gesichert an meiner Seite – damit sie nicht auf die dumme Idee kam, Kormos in ihrem eigenen Zuhause anzupöbeln.

Zugegebenermaßen hatte ich ein etwas flaues Gefühl dabei. Ich kannte Kormos nur als eine große, schwarze Hündin, die ungern Gäste empfängt.

Gesagt getan – Hunde los.

Der Rest ist schnell erzählt und unspektakulär. Mateja hat sich mit meiner Unterstützung vorbildlich verhalten, Furio und Kormos haben sich kurz beschnuppert. Kormos fand diese fremden Artgenossen in ihrem Garten eher gruselig und hat sich, groß und schwarz und massiv wie sie ist, schnell hinter ihrem kleinen, alten Frauchen verschanzt und beschlossen, dass sie mit diesen neuen Mitbewohnern nicht allzu viel zu tun haben möchte.

Sie hat ein paar Leckerlies von mir genommen und immer dann, wenn meine Hunde gerade nicht hingesehen haben, versucht ein paar Schritte näher zu kommen, um diese zwei Aliens zu betrachten.

Erstaunlich für mich als Hundetrainerin ist hierbei, dass dieser Hund, der in seinem Leben wenig gelernt und wenig gesehen hat, so ruhig und schüchtern mit unserer Anwesenheit umging. Kormos hatte außerdem jahrelang keinen Kontakt zu Artgenossen bis auf eine zweite Hündin, mit der sie früher sechs Jahre lang zusammengewohnt hat. Dennoch kommuniziert sie interhundlich fein und vorsichtig und zeigt dabei eine unglaublich vertrauensvolle Verbindung zu ihren beiden Menschen.

Der Umgang dieser drei miteinander ist rührend, unhektisch und völlig natürlich und genau das ist wohl der Grund dafür, dass diese kleine Hundezusammenführung so problemlos geklappt hat.

Was wiederum meine Einschätzung bestätigt, dass unsere Hunde nicht unendlich viele „Freunde“ benötigen, sie nicht jeden Tag erzwungenen Sozialkontakt zu Artgenossen brauchen und auch nicht jeder Spaziergang eine Trainingssession sein muss.

Manchmal reicht es einfach, miteinander zu leben und sich aufeinander verlassen zu können.