Mono-Log

Ein paar fast unhundliche Gedanken zum Jahresanfang.

 

Ich sitze auf der Couch und sehe mir das Neujahrskonzert an. Es ist das erste Mal seit Langem, dass ich nur eine Sache auf einmal mache.

Normalerweise kennt man mich eher als einen Stereo-Typ. Stereo oder noch besser Dolby Surround. Alles gleichzeitig von allen Seiten. Ich mache selten etwas, ohne nebenher an eine ganz andere Sache zu denken und noch einen Zeitplan für den nächsten Tag zu machen.

Bin ich mit einer Trainingsstunde fertig, schreibe ich in Gedanken schon die E-Mail-Zusammenfassung, setze mich ins Auto und rufe jemanden von meiner To-Call-Liste an. Währenddessen erledige ich noch eine Kleinigkeit, die ich unbedingt erledigen muss und singe zu einem meiner Lieblingssongs mit.

Gute Vorsätze halte ich selten ein. Dieses Jahr möchte ich es dennoch versuchen. Für mein eigenes Seelenheil und für das meiner Hunde. Auf der Couch das Neujahrskonzert ansehen und anhören und dabei nichts Anderes tun erfüllt mich mit Ruhe und mit Müdigkeit, wie ich sie mir schon lange nicht mehr selbst gegönnt habe. Der zweiten Hälfte des Konzertes lausche ich daher mit geschlossenen Augen, eingemümmelt in eine Decke mit dem zusammengerollten Whippet bei meinem Bauch.

 

Warum nicht gleich so?

Es wäre eine faule Ausrede unsere Umwelt, die Anforderungen des Arbeitsalltages oder der Selbstständigkeit verantwortlich zu machen. Es ist der Druck, den wir uns selbst machen, der von uns verlangt am besten fünf Sachen gleichzeitig zu machen. Und selbst wenn man ein Multitasking-Genie ist und es schafft, diese fünf Sachen nicht nur synchron, sondern auch zufriedenstellend zu erledigen, so leidet doch immer irgendein Aspekt des Lebens unter den kleinen Unaufmerksamkeiten, die dadurch entstehen.

Welche Gesichtspunkte das sind, muss jeder für sich selbst herausfinden. Bei mir sind es mein eigener Seelenfrieden und meine Hunde. Diese wundervollen Geschöpfe, die bei mir wie die Kaiser leben. So sehen das jedenfalls Außenstehende.

Ich weiß es leider besser. Ich weiß, dass ich auf manchen Spaziergängen mit ihnen nur physisch anwesend bin, dass meine Gedanken ganz woanders sind. Oder, dass ich beim Training mit ihnen schlecht vorbereitet bin, wie ich es meinen KundInnen nie durchgehen lassen würde.

Nun gut – immerhin überlege ich mir, wo ich mit ihnen spazieren gehe, versuche mit ihnen nicht nur immer an dieselben Orte zu fahren. Und ich trainiere mit ihnen, fordere sie geistig und beschäftige mich mit ihnen. Lasse ihnen die medizinische Betreuung zukommen, die sie benötigen und sorge gut für sie. Versuche ihnen kleine Wünsche zu erfüllen, oder Dinge zu vergönnen, von denen ich weiß, dass sie sich darüber freuen. Das ist vielleicht auch mehr, als andere HundehalterInnen tun würden.

 

Meinen eigenen Ansprüchen genügt es aber längst nicht.

Als Vorsatz für das neue Jahr möchte ich nicht mehr im Dolby Surround-Modus unterwegs sein. Ganz besonders nicht mit meinen Hunden.

Ich möchte viel öfter Mono durch die Welt gehen und wenn ich beispielsweise mit meinen Hunden unterwegs bin, wirklich nur genau das tun, was wir gerade gemeinsam vorhaben.

Natürlich wird das nicht immer gelingen. Aber ich weiß, dass nicht nur meine Fellnasen, sondern auch ich von der achtsam genutzten Zeit profitieren werden.

2017 war für mich ein sehr gutes Jahr und für 2018 wünsche ich mir nur eines – ein bisschen mehr Langsamkeit, ein bisschen mehr Mono.