HundetrainerIn sein ist nicht immer einfach. Es bringt Verantwortung mit sich. Die Verantwortung, Klienten Hilfsmittel in die Hand zu geben, die sie selbst gut und unfallsfrei umsetzen können. Sie Trainingsmethoden zu lehren, die die Beziehung zum deren Hund verbessern und die Kommunikation erleichtern. Und wie in meinem Blog über das „Nein sagen“ schon beschrieben, müssen wir unseren KundInnen gegenüber dabei fair und empathisch agieren.

Aber auch bei unseren eigenen Fellnasen haben wir HundetrainerInnen eine Verantwortung. Wir stopfen jahrelang theoretisches Wissen in uns hinein und studieren Lerntheorien, körpersprachliche Signale des Hundes, Trainingsaufbau und –pläne, den technischen und fairen Einsatz von Hilfsmitteln, rassespezifische Eigenheiten und Verhaltensweisen und vieles mehr.

Dennoch sind wir im Umgang mit unseren eigenen Hunden oft „betriebsblind“.

 

„Trainier nicht mit Deinem Hund, wenn Du selbst schlecht gelaunt bist, oder es Dir nicht gut geht.“

 

Dank unserer Ausbildung wissen wir genau, dass die scheinbaren „Fehler“ unseres Hundes Trainingsfehler sind, die wir selbst gemacht haben. Versäumnisse im Aufbau der Übung, ein schlecht gewähltes Setting, oder einfach nur ein Tag an dem wir „mit dem falschen Fuß aufgestanden“ sind, können unser Training negativ beeinflussen.

Dennoch lassen sich HundetrainerInnen, die Ihren KundInnen gerade diese Dinge sagen und sie vollkommen korrekt anleiten, mit ihren Fellnasen zu trainieren, oft zu genau denselben Fehlern hinreißen.

HundetrainerIn sein bedeutet aber nicht nur richtige Anweisungen nach Außen zu tragen, es bedeutet auch, diese bei sich selbst und seiner eigenen Fellnase anzuwenden. Es heißt nicht wütend zu werden, wenn man denkt, dass der Hund etwas „doch ohnehin längst kann“. Da gilt es sachlich zu bleiben und durchzuatmen. Sich genau zu überlegen, warum etwas gerade nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat.

Und wenn der Tag und die Arbeit vielleicht schon ihren Tribut gefordert haben, steht es auch HundetrainerInnen offen, keinen Finger mehr an den eigenen Hund zu rühren. Einfach nur einen entspannten Spaziergang zu machen, ein paar Leckerlies zu verstecken und – um alle Fehlerquellen auszuschließen – eine Schleppleine am Brustgeschirr zu befestigen. Dann muss man sich nicht einmal mehr um den perfekten Rückruf Gedanken machen.

 

Manche HundetrainerInnen können es, manche nicht.

 

Je öfter man sich selbst ertappt und einschränkt, im Vorhinein erkennt, dass es ein schlechter Zeitpunkt für Training ist oder man in der Übung innehält, weil es nicht klappt, desto leichter fällt es. Dabei hilft es innezuhalten, dem eigenen Hund ein Pause-Signal zu geben und sich kurz hinzusetzen und durchzuatmen.

Heute war ich mit Joel Müller von faszination-hund unterwegs, dessen beide Podencos auch off-leash grundsätzlich verlässliche Begleiter sind und nicht jodelnd in den Wald düsen. Was sie aber gerne tun ist Mäuselöcher aufbuddeln. Minutenlang, minutenlänger, stundenlang.

Sie vergessen dabei zwar nicht alles um sich, können einen Blick in Richtung Herrchen werfen, kommen aber nicht, egal wie weit er sich entfernt. Sie graben japsend die dicke Schneedecke bis zur Erde auf. Joel gibt ihnen dann gedanklich ein wenig Zeit. Kommen sie in dieser Spanne, ist es gut und es gibt eine große Party. Kommen sie nicht – tja – dann holt er sie einfach ab. Joel ist dabei nicht wütend, oder vorwurfsvoll. Zuerst bereitet er sie darauf vor, dass sie nun angeleint werden und weitergehen müssen. Er wartet, bis sie sich ebenfalls gedanklich von ihrem Mäuseloch verabschiedet haben und nimmt sie dann freundlich mit. Belohnt sie die nächsten Meter noch intensiver für Blickkontakt.

 

Er zeigt Verständnis, Fairness und Größe im Umgang mit ihnen.

 

Danke, dass es Vorbilder wie Dich gibt, mein Lieber! <3