Ich weiß ja, man soll nicht boshaft sein. Aber wenn das Leben ein komplettes 10 Minuten Kabarett spielt, muss ich einfach applaudieren.

 

Hundefreilaufzonen sind Orte, an denen das Kabarett zuhause ist…

„Einen rotzfrechen Burschen haben Sie da,“ bekomme ich zu hören, als Furio in flottem Tempo eine Hündin begrüßt, deren Besitzerin diese schon mehrfach vergeblich abgerufen hat.

Furio ist alleine dorthin gelaufen, während ich die anderen Fellnasen bei mir behalten habe, damit die Hündin nicht von allen Hunden gleichzeitig bestürmt wird.

„Aber wunderschön ist er. Ein Mischling?“
„Nein“, flöte ich „das ist ein Whippet.“
„Ach dafür ist er aber sehr groß.“
Ich bleibe geduldig, es geht doch nichts über eine hochwertige Rassekundediskussion: „Mit seinen 49 cm ist er im Standard und sogar ein verhältnismäßig kleiner Rüde.“

Die Antwort bleibt aus, da ein junger Aussie, der schon ein Stück vorher eine andere Hundegruppe belästigt hat und dessen Besitzer sich am anderen Ende der großen Wiese befindet, angestürmt kommt. Furio flankiert ihn, drückt ihn mit ganzem Körpereinsatz in einem Bogen von Mateja weg und macht dann seinen giftigen Whippetblick (ja, so etwas gibt es!).

 

„Hui, das war aber böse.“

Ich fühle mich bemüßigt den Prinz in Schutz zu nehmen und sage: „Der Rüde ist schon die ganze Zeit aufdringlich und zu weit entfernt von…“
„Nein,“ fällt sie mir ins Wort „das ist ein ganz Lieber. Wir kennen ihn. Er ist ja erst ein Jahr alt. Der ist nur ein bisschen lästig weil unsere gerade läufig war.“

Der Aussie belästigt ihre Hündin. Die Dame kümmert sich nicht darum.
Furio möchte nochmals helfend eingreifen, ich unterbreche ihn mit einem „Nein,“ und stopfe ihm ein großes Stück getrocknetes Huhn ins Maul. „Nicht unsere Baustelle, Maus“, sage ich leise zu ihm.
Die Hündin versucht nun selbst den Aussierüden abzuwehren.

„Außerdem ist unser zweiter ja auch gerade im Wald unterwegs.“
Diese Information erstaunt mich nun. Offenbar war das eine Spitze an mich, da ich mich erdreistet habe zu erwähnen, dass der Aussie-Rüde etwas zu weit von seinem Besitzer entfernt ist.
„Ein Münsterländer ist das.“

Ich halte Ausschau nach dem Münsterländer. Vergeblich.

Sie hält auch Ausschau nach ihrem Hund. Da sich dies als sinnfrei herausstellt, beugt sich die Dame hinunter und streichelt über einen Hundekopf, der eher ungern gestreichelt wird.
Ich sage: „Vorsicht bei dem Herdenschutzhund-Mix, der wird nicht gerne von Fremden angegriffen.“
„Das hab ich schon gesehen,“ ihr wissendes Nicken verrät, dass sie den Durchblick hat.

 

„Also ich bin ja Hundetrainerin.“

Aha – denke ich mir – da liegt also der Hund begraben.
„Sehen Sie,“ fährt sie im Oberlehrerton fort (den ich gut kenne, weil ich selbigen perfektioniert habe) „er ist jetzt schon einige Male an mir vorbeigekommen, aber ich habe seine Körpersprache gelesen und jetzt gerade hat er den Kopf gesenkt und mir signalisiert, dass es okay ist.“

Ich lächle milde. Mir fällt dazu nichts Schlaues ein.
Der Hund geht nochmals an ihr vorbei. Dieses Mal greift sie nicht hin und erklärt mir: „Und jetzt ist er einen Bogen gegangen und hat mich damit abgeblockt. Deshalb habe ich ihn jetzt nicht gestreichelt.“
Aha – so ist das also.

Da eine weitere Antwort meinerseits wieder ausfällt und ich mich gerade zum Gehen wenden möchte, wechselt sie schnell das Gesprächsthema. Solche Leute wollen ungern allein sein mit sich und ihren nicht abrufbaren Hunden.

„Na schau, und der Terrier da“, sie zeigt auf Mateja „das ist ein Dreibein?“
Nun wird es mir langsam aber sicher zu bunt: „Der Hütehundmischling da – ja, hm – der hat ganz offensichtlich nur drei Beine.“

Ich ernte einen irritierten Blick von der Frau Hundetrainerin und nutze die Gelegenheit um mich mit meinen Hunden aus dem Staub zu machen. „Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen,“ rufe ich über die Schulter und entferne mich hurtig mit meinem dreibeinigen Terrier, meinem schönen, rotzfrechen Mischling und dem Herdenschutz-Mix, der der sich von dahergelaufenen Hundetrainerinnen gerne mal auf den Kopf tatschen lässt.