Vor einiger Zeit wurde ich darauf angesprochen, warum ich mich als „gewaltfrei arbeitende“ Hundetrainerin verstehe, gleichzeitig aber meinen Hund auf Ausstellungen schleppe.

Mir war zuerst nicht ganz klar, was mit der Frage eigentlich gemeint war.

Besucht man eine Hundeausstellung, sieht man aber schnell einige Dinge, die diese Fragestellung sofort rechtfertigen.

Gestresste Hunde werden an schlecht montierten Showleinen durch die Gegend gezerrt, sie haben diese Leinen teilweise sogar am Gelände und nicht nur im Showring umgelegt. Sie bekommen nicht die Möglichkeit sich zwischen ihren „Auftritten“ zu entleeren und verrichten ihre Notdurft daher in der Halle, im schlimmsten Fall während sie dabei weitergeschleift werden. Anderorts sieht man Hunde, die am „Galgen“ (Tisch mit Aufhängung der verwendet wird, um den Hund während der körperlichen Verschönerungsmaßnahmen zu fixieren) einfach alleine stehen gelassen werden.

Kein besonders gewaltfreies Bild also.

Furio geht auf Ausstellungen seit er ein kleiner Welpe ist und auch seine Züchterin ihn schon mit seiner Mama auf kurze Ausflüge dorthin mitgenommen, um ihn die dicke, laute Luft der Ausstellungshalle schnuppern zu lassen.

Er ist gut vorbereitet, genießt intensives Ausstellungstraining und weiß daher genau, was im Ring auf ihn zukommen und was von ihm erwartet wird.

Wenn ich mit ihm auf Ausstellung gehe, bringe ich zuerst mein Sack und Pack in die Halle, hole mir den Ausstellungskatalog, suche den Ring, in dem ich Furio ausstelle und ergattere mir dann einen guten oder weniger günstigen Platz, auf dem ich mein Lager aufschlage. Eine Ausstellung dauert mitunter um die 8 Stunden, es zahlt sich daher aus, es sich und seinem Hund auch gleich gemütlich zu machen.

Dann erst hole ich Furio aus dem Auto, erkunde mit ihm das Gelände und achte darauf, ihn ausreichend sein Geschäft verrichten zu lassen. Bei unserem Platz hat er seine Stoffbox stehen und kann entweder diese verwenden, um noch eine Runde zu schlafen, oder draußen auf der Decke oder meinem Schoß das Geschehen um ihn beobachten. Verschönerungsmaßnahmen sind bei einem Whippet ja gottseidank nicht viele notwendig, gepflegte Krallen und ein sauberes Fell reichen grundsätzlich schon aus.

Ich habe immer ausreichend Wasser für ihn zur Verfügung und so warten wir geduldig auf Furios Auftritt. Etwa eine Stunde bevor er tatsächlich an der Reihe sein wird, gehen wir noch einmal spazieren, nicht nur, damit er noch einmal eine Möglichkeit hat sich zu entleeren, sondern ebenso um meinen Siebenschläfer aufzuwecken – ganz richtig, Furio ist an den Ausstellungszirkus so gewöhnt, dass er meist hinkommt, seine Bekannten begrüßt und dann einfach schlafen geht.

Ich mache die Vorführleine bereit, sie ist relativ schmal und wird so hinter den Ohren des Hundes befestigt, dass sie nicht auf den Kehlkopf drückt, die Atmung nicht beeinträchtigt und vor allem fest sitzt, damit sie nicht im Ring verrutscht und dem Hund Schmerzen oder gar Verletzungen im Halsbereich zufügt.

Wenn wir dann endlich an der Reihe sind, um den Ring mit mehreren anderen Rüden zu betreten achte ich darauf, dass Furio genug Abstand zu seinem Vorder- und Hintermann hat, ihm und seinen Artgenossen zuliebe. Nun folgt eine von Außen etwas kompliziert anmutende Abfolge von Präsentieren der Hunde, gemeinsamem im Kreis Laufen, einzelner Präsentation jedes Hundes und noch mehr im Kreis Laufens. Während die Hunde einzeln präsentiert werden, lasse ich Furio tun, was er möchte, ja, er darf sich sogar kurz hinlegen, wenn ihm danach ist. Natürlich gibt es Menschen, die ihren Hund die ganze Zeit (und 30 Minuten oder mehr sind hier keine Seltenheit) im Ring stehen lassen, so wie sie es zuhause mit ihm geübt haben. Während der oder die RichterIn sein/ihr Auge aber auf einen einzelnen Hund richtet, habe ich für mich selbst beschlossen meinem Hund eine Pause zu gönnen. Seine Ergebnisse haben darunter nie gelitten ;).

Dann ist es endlich vorbei, Furio bekommt sein Ergebnis und wenn dieses besonders gut war, muss er am Ende der ganzen Klasse noch einmal gegen andere Rüden antreten. Und wenn er auch das geschafft hat, muss er eventuell noch in den Ehrenring. Ich habe bis auf ein einziges Mal sämtliche Gelegenheiten in den Ehrenring zu gehen ausgelassen – Furio hätte wohl noch jede Menge Energie gehabt, mir selbst ist es aber spätestens nach Ende der gesamten Whippetklasse (spätestens gegen 14:00) mehr als genug und wir fahren nach Hause. Dort gibt es eine Extraportion Futter und dann schlafen wir uns aus. Eventuell gibt es ja ein Doppel-CACIB und wir müssen am nächsten Tag noch einmal antreten.

So sieht also ein typischer Ausstellungstag aus, den ich mit Furio erleben darf. Mein Wunderbub ist dabei gelassen und fröhlich und sieht das ganze wohl als einen dieser eher unnötigen Ausflüge, bei denen man nicht mal mit seinen anderen Whippetkumpels rennen darf.

Leider weiß ich aber, dass es nicht allen Hunden so geht. Ich habe vor einiger Zeit ein paar No-Go’s bei Ausstellungen in einer Ausgabe der UH zusammengefasst, werde diese aber erst ganz unten in diesem Blog erwähnen, da es mir wichtiger ist, Euch Tipps zu geben, wie Ihr Eurem Hund die Ausstellung zu einem positiven Ereignis machen könnt, anstatt darauf hinzuweisen, wie es eben nicht aussehen soll.

Tipps, die Euch und Eurem Hund das Ausstellungsgeschehen erleichtern:

  1. Trainiert mit Eurem Hund die einzelnen Schritte des Ablaufes des Präsentierens im Ring und prägt Euch diesen Ablauf selbst gut ein (auf meinen ersten Ausstellungen war ich teilweise etwas verwirrt und überwältigt von den vielen Menschen, Hunden, dem Lärm und dem Gefühl nun auf dem Prüfstand zu stehen).
  1. Überlegt Euch genau, wie die Vorführleine beschaffen sein soll, mit der Ihr Euren Hund führt, achtet darauf, dass man sie fixieren kann und übt vorher oft, sie Eurem Hund sachgemäß so anzulegen, dass sie nicht verrutscht und ihn beim Atmen behindert!
  1. Besucht gemeinsam mit Eurem Hund eine Ausstellung einfach nur zum Spaß und ohne teilzunehmen, um Euch einen Eindruck davon zu verschaffen, ob Euer Hund mit der Umgebung überhaupt zurecht kommt.
  1. Bereitet Euch vor, wenn Ihr Euren Hund dann zu einer Ausstellung anmeldet – nichts verursacht Euch selbst mehr Stress, als keinen Parkplatz zu finden, oder durch alle Hallen irren zu müssen, bis Ihr endlich bei Eurem Ring angekommen seid. Und wir wissen ja, dass unsere eigene Laune auch auf unseren Hund abfärbt.
  1. „Verschönert“ Euren Hund rechtzeitig. Hunde, deren Fell auf eine bestimmte Art und Weise vorbereitet sein muss, sollten mindestens am Tag davor, oder schon eine Woche vorher „hergerichtet“ werden, sodass man am Tag der Ausstellung nur noch kleinere Pflegemaßnahmen wie bürsten vornehmen muss. Das dient nicht nur der Stressreduktion des Hundes – ein geschultes RichterInnenauge sieht genau, ob der Hund erst am selben Tag getrimmt wurde, oder eine Woche vorher, wodurch die Fellbeschaffenheit „natürlicher“ wirkt und eventuelle Schneide- oder Trimmfehler wieder hineinwachsen können.
  1. Achtet darauf, dass Euer Hund eine gute Zeit auf der Ausstellung hat. Geht zwischendurch öfter mit ihm Spazieren und nehmt Rücksicht darauf, wenn er nach dem ersten Mal im Ring vielleicht einfach zu erschöpft ist, um auch noch bis zum Ehrenring durchzuhalten. Keine Schleife und kein Pokal dieser Welt sind es wert, dass Ihr Euren Hund weitertreibt, obwohl es für ihn schon längst zuviel ist.
  1. Lasst Euren Ehrgeiz hinten angestellt. Wir alle wissen, dass es aus „freundschaftlichen“ Gründen immer wieder unfaire Entscheidungen im Ring gibt, oder ein/e Richter/in nun mal einen ganz speziellen Typ bevorzugt. Das passiert – aber was wirklich zählt, ist dass Ihr mit dem schönsten Hund der Welt im Ring steht und eine gute Zeit mit ihm habt.

Und nun zu den No-Go’s am Ausstellungsgelände:

Außerhalb des Ringes:

  • Hund am Galgen befestigen und weggehen
  • Hunde endlos lang in zu kleinen Boxen aufbewahren
  • Hunden nicht ausreichend frisches Wasser zur Verfügung stellen
  • Hunden nicht die Möglichkeit geben, sich zu lösen – diese Hunde entleeren sich dann aus Stress gleich im Ring oder irgendwo in der Ausstellungshalle
  • Hunde an der Showleine über das Ausstellungsgelände zerren
  • Grobe Behandlung bei den letzten „kosmetischen“ Vorbereitungen für die Show

No-Go’s im Ring:

  • Vorführleine so befestigen, dass der Hund nicht hecheln kann oder um damit Mängel zu kaschieren (um zum Beispiel bei brachicephalen Rassen zu verhindern, dass man sieht, dass die Zunge bereits nach einer Runde im Ring bis zum Boden hängt und der Hund im Alltag große Probleme mit der Atmung hätte)
  • Jegliches Manipulieren des Hundekörpers durch Herumreißen an der Vorführleine, Zwicken, Klapse unter das Kinn, Zerren an Gliedmaßen, und dergleichen finde ich unmöglich. Den Hund korrekt zu positionieren, sollte eine ruhige Angelegenheit sein, die für den Hund nicht unangenehm ist und die er vorher GELERNT hat.
  • Hochheben des Hundes auf den Vorführtisch (besonders kleine Rassen) an Rute und Showleine
  • Schlechtes Platzieren auf dem Vorführtisch (Hund fällt hinunter oder wird extra knapp an der Tischkante platziert, damit er ruhig stehen bleibt)
  • Rucken an der Vorführleine / schlecht sitzende Vorführleine (der Teil, der hinter den Ohren des Hundes liegt muss entweder fixiert sein, um Verrutschen über den Kehlkopf zu verhindern, oder ganz locker – in diesem Fall muss der Handler den Hund aber auch mit völlig durchhängender Leine führen)
  • Fixieren und in den Schwitzkasten nehmen eines Hundes, der sich nicht die Zähne oder Hoden kontrollieren lassen möchte (natürlich ist es eine Option, diese Dinge selbst dem/der RichterIn zu zeigen, er muss dafür nicht meinen Hund vergewaltigen)
  • Kranke Hunde, oder solche mit Schmerzen haben im Ring nichts verloren. Es ist hier aber auch Aufgabe der RichterInnen, solche Probleme zu erkennen und offensichtlich nicht gesunde Hunde von der Beurteilung auszuschließen.

Damit ein Ausstellungsbesuch nicht in Stress für Hund und Mensch ausartet, ist es also sehr wichtig, den Hund gut auf die Ausstellung und die Dinge, die ihn dort erwarten vorzubereiten.

Beim Ausstellungstraining besprechen wir Basics, Formwerte und Richtlinien und üben im Ring zu laufen und unseren Hund anatomisch richtig zu präsentieren.
Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Möglichkeiten, die wir haben, um unserem Hund den Besuch der Show spaßig und entspannt zu gestalten.

Ich freue mich, darauf Euch und Euren Vierbeiner bald beim Ausstellungstraining zu sehen.