Barcelona, diese laute, kreative und inspirierende Stadt, in der ich nun schon zum zweiten Mal Urlaub machen darf, hat mir immer etwas Neues zu bieten. Und es ist interessant, wie sich die eigenen Prioritäten verschieben.

Mit U20 war mein Herz noch mit der Sehnsucht nach Abenteuern erfüllt.

Und jetzt, zehn Jahre später ist es voller Sehnsucht nach meinen beiden Hunden, die zuhause bei der Hundetante geblieben sind.

Hat sich deshalb mein Blickwinkel so verändert? Damals sind mir nicht viele Hunde aufgefallen und nun sehe ich nicht nur einige wenige Hunde hier, ich sehe sie zu Hauf’ mit ihren Besitzern durch die Straßen wandeln. Zuerst dachte ich ja, die Menge wäre dem Viertel in dem wir wohnen (leicht außerhalb des Stadtzentrums) zuzuschreiben, aber die Vierbeiner finden sich auch direkt im Zentrum.

Die Hunde wackeln ganz entspannt vor oder hinter ihren Besitzern her und jeder Dritte davon sogar ohne Leine. Mir als Wienerin sticht es sofort ins Auge, dass es nur relativ wenige „Zwerge“ gibt, dass aber beachtlicherweise jeder zweite bis dritte der barcelonischen Hunde bei uns als sogenannter „Listenhund“ geführt werden würde. Schoko-Labbis findet man in Barcelona nur, wenn sie einen Touristen begleiten.

Ein schwarzer Staffmischling, unkastriert, wedelt mich an, während ich noch einen Koffer hinter mir herschleppe und ihm mit meinem verschwörerischen Hundetante-Grinser zuzwinkere, aber der Besitzer sieht uns mit dem Gepäck kommen, nimmt ganz gelassen das Halsband seines Hundes und hält den Großen kurz, damit wir ungestört vorbeigehen können.

Beim Abendessen im Hotel flanieren allerlei unterschiedliche Hunde mit ihren Besitzern auf der Straße vorbei und ein (wieder unkastrierter) Staff-Rüde grinst mit seinem breiten Lachgesicht beim Fenster rein (lassen wir doch hier mal beiseite, dass ich enthusiastisch quiekend von drinnen zurückgegrinst habe).

Die nächsten Tage sehen ganz genau so aus. Ich sehe Hunde, die mit ihren Besitzern spazieren gehen und Besitzer, die mit ihren Hunden spazieren gehen, als wäre es die normalste Sache der Welt. Die Spanier kümmern sich nicht um Clicker, Schleppleinen oder Leckerli-Beutel. Von Brustgeschirr bis Kettenhalsband ist alles an den Hunden anmontiert (bestimmte Zubehör wie Stachelwürger und dergleichen ist auch in Spanien verboten und sieht man auch nie), der Großteil der Hunde geht aber ganz relaxt an der lockeren Leine spazieren.

Noch ist es nicht so heiß, dass die Zungen vermehrt hinaushängen und so stehen ein (wieder unkastrierter) Staffrüde und sein Herrchen an der Ampel direkt neben einem massiven Fila Brasileiro und dessen Besitzer. Während der hibbelige Staff offenbar lernen soll, nicht vom Straßenrand runterzusteigen, bevor es ihm erlaubt wird, hat keiner der beiden Hunde irgendein Interesse an einer Kontaktaufnahme mit dem anderen Artgenossen.

So und so ähnlich sieht es auch überall anders aus wo wir hingehen (daher auch der Hinweis auf die auffallend häufig unkastrierten Rüden). Die Hunde sind still. Man würde fast meinen, in Barcelona wäre es die gute Mode jedem Hund von Welpenzeit an das Bellen zu verbieten aber so ist es nicht. Hund grüßt Hund entweder nicht, oder höflich im Vorbeigehen. Ob mit Leine oder ohne es gibt kein Bellen, kein Pöbeln, kein aufgeregtes Japsen. Und wenn es doch einmal eine Begegnung gibt, wird kurz gewedelt, es folgt ein Playbow und schon kann das Spiel beginnen. Man könnte das hündische Verhalten kurz und bündig als „stressbefreit“ betiteln, wenn es nicht so wahnsinnig wertend wäre.

Ebenso agieren die Hundemenschen. Man grüßt sich kurz oder bleibt einen Moment stehen um zu plaudern, aber es gibt kein Gepöbel unter den Hundebesitzern.

Wie kommt das?

Es gibt hier keine Hundetrainingsangebote im Übermaß, nein, nicht einmal einen Fressnapf finde ich – oh Schreck!! Einmal an einem sehr intensiv verwanderten Tag finde ich einen winzigkleinen Petshop. Und der ist geschlossen.
Tz, tz, tz – also lauter überforderte Besitzer, die keinerlei erzieherische Hilfe von Profis bekommen und keine Möglichkeit haben sich im überreichen Spektrum der Hundeartikel zu Tode zu shoppen. Und solche Leute schleppen dann ihre völlig von der Stadt überforderten Hunde durch die Gegend!

Nein – entspannte Spanier mit ihren entspannten Hunden, die gelassen durch den Alltag wandern. Während ich das schreibe, zieht ein struppiger, heller Mischling die letzten zwei Meter bis zum langen Grünstreifen, bevor der Besitzer einfach anhält, der Hund zu ihm zurückkommt und er die Leine abmacht. Ein gut eingespieltes Team. Der Hund zischt nicht etwa ab wie eine Rakete, weil er endlich raus kommt. Keine unkontrollierte Rennattacke findet statt. Der Hund geht gemütlich und uneingeschränkt schnüffeln, bleibt dabei am Grünstreifen und behält seinen Besitzer im Auge, der alle Zeit der Welt hat, seinem Hund nachzugehen.

Ich habe hier tatsächlich noch keinen einzigen Futterbeutel gesehen, nur sehr wenige gut passende Brustgeschirre und trotzdem liegt beim Umgang der Menschen mit ihren Hunden zum größten Teil Leichtigkeit und gegenseitiges Verständnis in der Luft. Es ist schön für mich, diese Zusammenarbeit beobachten zu können und ich freue mich hier so viele Hunde zu sehen (und übrigens noch keinen einzigen Straßenhund erblickt zu haben) um mein hundestrohverwitwetes Herz zu erfreuen.

Damit wir auch ganz sicher sein können, dass Hunde in Barcelona sehr wohl bellen können: in der Nähe vom Park Guell, wo das Zentrum und der echte Stadtbereich sich in eine Grünzone verwandeln, in der es mehr Häuser mit Garten gibt, dort bellen die Hunde. Und zwar ordentlich.

Und nun noch eine ganz kurze Zusammenfassung, welche Punkte man beachten sollte, wenn man mit seinem eigenen Hund nach Barcelona fahren möchte:

Im Moment sind die Temperaturen noch angenehm, von Juli bis Mitte September wird es hier aber richtig heiß und so viele Parks es in Barcelona auch gibt und so viele Bäume direkt am Straßenrand gepflanzt werden, direkt im Zentrum gibt es zu wenige Flächen an denen die Hundepfoten dem heißen Asphalt ausweichen könnten.

Hunde sind mit Maulkorb und Leine in den Öffis erlaubt, aber nicht zu Stoßzeiten. Das macht Sinn, da die Metro zu diesen Zeiten wirklich voll wird und für einen Hund wohl den unangenehmsten Ort überhaupt darstellt. Auch auf einigen Touristenbussen ist das Mitnehmen des Hundes erlaubt, es liegt aber wohl im Ermessen des Fahrers, ob er gewillt ist, vierbeinige Fahrgäste mitzunehmen.

Unterkünfte in denen Hunde erlaubt sind gibt es. Vermutlich nicht so viele wie zum Beispiel in weiten Bereichen von Kroatien, aber wer suchet, der findet.

An den Stadtstränden sind Hunde grundsätzlich nicht erlaubt, aber so genau nimmt das am späteren Abend niemand mehr.
Und ebenso gilt seit einiger Zeit Leinenpflicht in der Stadt und es gibt nur sehr wenige, kleine Hundezonen, in denen die Vierbeiner frei laufen dürfen – auch dieser Punkt wird aber von den Hundebesitzern nicht beachtet.

Dazu muss aber gesagt werden, dass wie oben beschrieben, der Großteil der Hunde überhaupt nicht auffällt und die meisten Hundebesitzer penibel die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner wegräumen. Die wenigen Ausnahmen, die mir aufgefallen sind, stellen tatsächlich eine winzigkleine Minderheit dar.

Im Fazit: ich vermisse meine Hunde, würde sie aber trotz der sehr offenen Verhältnisse nur für einen Urlaub (wegen dem Flug) hierher nicht mitnehmen. Ginge es aber um einen längeren Aufenthalt oder Umzug und damit eine Anfahrt mit dem Auto, kann man Barcelona ganz sicher als eine hundefreundliche Stadt mit sehr entspannten Hunden bezeichnen ;).