„Aber er macht doch nur Sitz!“ Wie oft ich diesen Satz höre und wie sehr ich ihn hasse.

Die Rede ist von einem Welpen, der vor seinem Frauchen sitzt und sie ansieht, um herauszufinden, ob das was er tut richtig ist, oder einfach nur, um ein Leckerchen „abzustauben“, während das Frauchen das Verhalten (ruhig sitzen) rigoros ignoriert und mit mir diskutiert.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge darf ich an dieser Stelle die Frage in den Raum werfen: Wird der Hund das Verhalten in Zukunft öfter zeigen?

Der Welpe in unserem Beispiel macht nicht „nur Sitz“ – er hat etwas gelernt.

Im besten Fall hat dieser Welpe gelernt, dass er seinen Popo auf den Boden bringen muss, wenn er das Wort „Sitz“ hört und dann zur Belohnung ein Leckerchen bekommt.

Im Normalfall hat er aber eine der folgenden Varianten von „Sitz“ gelernt:
– – Wenn ich aufstehe, schenkt Frauchen mir wieder Aufmerksamkeit.
– – Wenn ich Frauchen anschaue, bekomme ich ein Leckerchen (der Popo geht dabei bei vielen Welpen automatisch runter, weil der Rücken beim „Hinaufschauen“ dann gerader bleibt.
– – Wenn ich länger sitze, gibt es gar nichts von Frauchen. Im Umkehrschluss: Aufstehen bringt mich ans Ziel.
– – Meinen Popo auf den Boden bringen, hilft immer. Wann und warum ich das tun soll, weiß ich nicht so genau.

Warum soll dieser Welpe nun überhaupt sitzen lernen? Immer wieder höre ich von motivierten WelpenbesitzerInnen, dass sie ihrem kleinen Hund viel beibringen möchten.

Zu allererst das Kommando „Sitz“. Dicht gefolgt von „Platz“ und von „Bleib“. Natürlich muss der Welpe auch lernen, nichts vom Boden aufzunehmen. Das ist alles sehr wichtig. Ach – lasst mich nicht „Nein“ oder „Aus“ vergessen. Es ist offenbar wirklich essenziell für WelpenbesitzerInnen, dass der Hund diese Signale lernt. Auf die Frage was denn genau „Nein“ und was „Aus“ sei, kommen dann ratlose Blicke. Aber können soll es der kleine Hund.

Aus meiner Sicht ist das der falsche Ansatz. Es ist nämlich eben gar nicht wichtig, dass wir Welpen mit diesen Übungen triezen. Wenn es mit gut strukturiertem Training, engagierten HundebesitzerInnen, die es nicht eilig haben und perfekt umgesetzten Aufgaben möglich ist, einem drei Jahre alten Hund innerhalb von vier Trainingsstunden über vier Wochen Sitzenbleiben, Liegenbleiben, leinenführig Spazierengehen und in einem Lokal ruhig Warten beizubringen, muss man sich fragen, warum der Welpe gerade diese Dinge als erste Übungen seines Lebens lernen soll.

Wenn es möglich ist, einem 14 Jahre alten, tauben Hund innerhalb von vier Wochen ein Sichtsignal für Zurückkommen beizubringen, muss man sich ebenfalls fragen, warum WelpenbesitzerInnen so erpicht darauf sind, ihrem Hund gerade die oben genannten trockenen und langweiligen Übungen beizubringen.

Ich sage nun nicht, dass es völlig unnötig ist, Welpen so etwas beizubringen. Es ist nur gänzlich absurd, gerade diese Übungen als die ersten und wichtigsten Übungen der Welpenzeit zu bezeichnen und ich möchte Euch in den nächsten Tagen meine ganz persönlichen Very Important Things für Welpen (kurz VIT) vorstellen.