Hundehosen? Ach wo…

Jeder der viel mit Tieren zu tun hat weiß, dass man nicht in der weißen Haute Couture Slim-Jeans durch die Gegend läuft.

Selbstverständlich gibt es diese Ausnahmeexemplare, die ich schon als Kind immer bewundert habe. Ich bin stundenlang um Pferde herumgekrabbelt, habe sie geputzt und gehegt und ihre Boxen ausgemistet. Dann habe ich mich noch eine Stunde draufgesetzt und ihre Wärme und ihren heimeligen Geruch genossen.

 

Danach war ich dreckig.

Nicht nur so ein bisschen. Ich glaube ich hatte mich selbst in ein kleines Pferdchen verwandelt und es war durchaus mal ein Hufkratzer notwendig, um den Dreck unter meinen Fingernägeln hervorzuholen. Daneben gab es diese schönen Mädchen. Sie hatten die perfekte Reiterhose, passende Stiefel, eine Frisur, die selbst nach einer Stunde Helmtragen immer noch perfekt und unzerstörbar saß. Wie haben diese Mädls es gemacht, mit sauberen Fingernägeln aus dem Reitstall zu kommen?

Nun, bei mir hat sich nichts verändert. Außer die Ausstattung. Wenn mich jemand fragt: „Ist das Deine Hundehose?“, muss ich lachen. Sie sind alle meine Hundehosen. Ich habe alle meine Hosen bei jedem Wetter an, krabble mit ihnen in der Wiese und am Boden auf Hundehöhe herum und lasse die Fellnasen mit ihren Dreckpfoten draufspringen oder –touchen. Fast alles was sich in meinem Kleiderschrank findet, ist mit 40 °C waschbar und verträgt 1400 Umdrehungen beim Schleudern. Das sind daher keine “Hundehosen” sondern Kleidungsstücke die ich nach einem ordentlichen Waschgang auch zu nicht-hundlichen Aktivitäten trage.  Ich gehe deshalb meist sehr praktikabel gekleidet durch die Welt, aber nie verdreckt oder abgerissen wie damals nach dem Reitstall.

 

Ich dachte daher über das Problem einer echten Arbeitskleidung erhaben zu sein.

Die kleine Miss P. hat mich am Donnerstag eines Besseren belehrt. Ich war gerade dabei ihren Eltern zu erklären, wie diese das Markerwort in Zukunft zum Einsatz bringen sollen, da wurde dem Miniaturpiranha die Wartezeit zu lang. Enthusiastisch schlug sie ihre nadelscharfen Zwergenzähnchen und ihre winzigen Krallen in meine Lieblingsjeans und zog fünf hübsche Fäden heraus. Miss P. war begeistert, ich nicht ganz so sehr.

Selbstverständlich wandte ich meine jahrelange Erfahrung im Umgang mit fiesen Krokodilen und deren Eltern an. Im Konkreten bedeutet das, dass ich mir die größte Mühe gab meine Gesichtszüge nicht entgleisen zu lassen. Ganz besonders weil meine Welpen-Policy ja diejenige ist, dass man den kleinen Giftzwergen Zeit lassen soll. Vor allem soll man nicht alles todernst nehmen und mit Kommandos „ausbessern“ muss, was einem Babyhund einfällt.

Miss P. ließ sich begeistert auf ein Spielzeug umlenken, das sogleich ihr neues Opfer wurde und ich habe seit diesem Tag eine – ja ganz genau – Hundehose. Aber nicht nur irgendeine Hundehose, weil schließlich sind alle meine Hosen für diesen Zweck gedacht.

 

Ich habe erstmals ein Stück Arbeitskleidung.

Meine ehemalige Lieblingsjeans ist ab sofort meine Welpenhose.