Am Freitag habe ich einen Workshop besucht und mich ziemlich geärgert.

Es war ein Mantrailing Workshop. Die beiden Vortragenden baten uns in den ersten zwei Sätzen, unsere Hunde für den theoretischen Teil im Auto zu lassen. Dagegen sprach bei 10 °C Außentemperatur auch rein gar nichts. Gleichzeitig standen wir auch in einer Traube neben den Autos und konnten Fenster und Kofferräume beruhigt offen lassen.

Einige Besucher des Workshops waren öffentlich gekommen und schickten nun ihre Familienmitglieder mit den Hunden spazieren. Ein anderer Teilnehmer entgegneten schlicht, dass der Hund keine Lust hätte im Auto zu sitzen. Besagter Hund hatte viel größeren Spaß daran, der Seminarteilnehmerin neben sich winselnd raufzuspringen.

 

Beim Mantrailen wird eine Person gesucht

Wer sich auch nur in Grundzügen mit dem Thema Mantrailing beschäftigt hat weiß, dass hierbei ein Hund-Mensch-Team einen anderen Menschen sucht. Es liegt daher in der Natur der Sache, dass ein Mensch sich zuerst einmal verstecken gehen muss. Wie soll er sonst gesucht werden?

Für den theoretischen Teil des Workshops war das nicht das größte Problem. Ich möchte aber an dieser Stelle anzweifeln, dass ein Hund der vorher stundenlang in neuer Umgebung spazieren war, nachher noch viel Konzentration für die eigentliche „Arbeit“ aufbringen kann.

Nach einer Vorstellungsrunde, Erklärungen und theoretischem Hintergrundwissen ging es ans eigentliche Trailen. Begonnen wurde selbstverständlich mit Winselwasti Nummer 1, der ohnehin nicht im Auto bleiben wollte. Dieser schaffte seine ersten Minitrails ganz hervorragend und sein Besitzer ging eine Runde mit ihm spazieren.

 

Hunde an den Start – aber meiner zuerst!

Sofort brachten nun die Spaziergeher ihre Hunde an den Start. Rücksprache mit den Leitern des Workshops wurde nicht gehalten. Da aber ohnehin immer nur ein Hund an den Start kann, war es auch nicht so wichtig. Schließlich komm am Ende jeder einmal dran. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass es bei solchen Veranstaltungen immer Menschen gibt, die „die ersten sein müssen“ und andere, denen die Reihenfolge egal ist.

 

Die Sache hat jedoch einen Haken.

Beim Mantrailen soll – wie schon kurz angerissen – eine Person sich verstecken, um von einem Team gesucht und gefunden zu werden. Alle anderen Teilnehmer sehen zu, stehen möglichst nicht im Weg herum und versuchen sich ruhig zu verhalten. Im Optimalfall zumindest.

Bei den Autos blieb ein Aufpasser, sie konnten daher zu jeder Zeit voll geöffnet bleiben. Der Workshop-Leiter bat ebenfalls an, eine Hundebox im offenen Kofferraum zur Verfügung zu stellen. Dennoch bestanden drei TeilnehmerInnen darauf, ihre Hunde auch nach getaner Arbeit mitzuschleppen. Nicht nur verweigerten Sie damit das “Verstecken” und damit die Gegenleistung für andere TeilnehmerInnen. Sie standen außerdem mit den Hunden herum und ließen diese an der Leine miteinander spielen („da haben sich zwei gefunden“). Natürlich nahmen sie keinerlei Notiz oder Rücksicht von den wiederholten Bitten, die Hunde ins Auto oder wieder spazieren zu schicken, da sie eine große Ablenkung für die noch nicht gestarteten Teams darstellten.

 

„Meiner ist der Schönste“ – oder gibt es sonst noch einen Grund für so unkollegiales Benehmen?

Ich kann ehrlichgesagt nicht nachvollziehen, warum sich Menschen so verhalten. Nun hat sich jeweils eine Person für sie und ihren Hund ins Gebüsch gesetzt, ist es da nicht angebracht, diese Zusammenarbeit zu erwidern? Wenn der Geltungsdran, den eigenen Hund zu zeigen so groß ist, wären solche Personen auf einer Hundeausstellung besser aufgehoben.

Warum mich dieser Egoismus so verärgert, kann ich gar nicht so genau definieren. Der Workshop war nämlich exzellent geplant und veranstaltet. Es war spaßig, mehrmals im Gebüsch zu sitzen und dann freudestrahlende Hunde in Empfang zu nehmen und zu belohnen. Es war hochinteressant, die ganz unterschiedlichen Hundetypen dabei zu beobachten, sich ihre ersten Trails fast selbstständig zu erarbeiten. Vielleicht schlägt da aber auch nur mein gesteigertes Interesse als Hundetrainerin am „wie“ und „warum“ durch.

 

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen?

Ich möchte hier an die Worte denken, die die Workshopleiterin auf die Frage nach älteren Trails und das Warten der fürs Training gesuchten Person gesagt hat: „Es ist entspannend und sehr beruhigend eine Stunde im Wald zu sitzen, ein Buch zu lesen oder den Geräuschen der Natur zu lauschen.“

Ich werde also lieber den Wald und nicht die unkooperativen Bäume betrachten. Und mich in Zukunft nicht mehr ärgern, weil das den Spaß an einem tollen Erlebnis mindert.